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Aus: Ausgabe vom 26.10.2020, Seite 15 / Politisches Buch
Neue Stromzähler

Smarte Überwachung

Margit Krug über die »Spionagezähler« der Energieunternehmen
Von Herbert Münchow
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Noch nicht die »smarte« Variante: Stromzähler in einem privaten Haushalt

Die Energieunternehmen und ihre Lobby stehen auf »smarte Zähler«. Kleinverbraucher mit einem Jahresverbrauch unter 6.000 Kilowattstunden sollen bis spätestens 2032 bei einem nötigen Zählerwechsel neue digitale Messeinrichtungen erhalten. Dagegen regt sich Protest, wie eine eben im Pad-Verlag erschienene Streitschrift der Juristin Margit Krug über den »Lauschangriff durch smarte Zähler« belegt. Generell geht es beim Thema Digitalisierung auch immer um den »gläsernen Bürger«. Das ist beim smarten »Spionagezähler« nicht anders. In Echtzeit können zum Beispiel problemlos Tagesabläufe verfolgt werden.

Krug weist noch auf weitere gravierende Auswirkungen dieser Technik hin, die Widerstand herausfordern, ohne dass man dafür ein Maschinenstürmer sein muss. So der Stromverbrauch der »Smartmeter«-Infrastruktur: Schon heute kostet der Digitalkonsum ungeheure Mengen an Energie. Im Jahr 2017 verbrauchte der Datenverkehr in der BRD bereits 47 Milliarden Kilowattstunden. Aber alle zwei bis drei Jahre verdoppelt sich das Angebot der internetgestützten Dienstleistungen. Die Tendenz ist eindeutig. Gibt es hier also keine nachweisbaren Einspareffekte, sondern nur behauptete, so auch im Privathaushalt nicht, wie die Autorin anhand von Studien belegt.

Das Thema ist demnach keineswegs unpolitisch. Die Datensicherheit ist nicht gewährleistet, der Verkauf von Kundendaten nicht auszuschließen. In Frankreich ordnete ein Gericht die Entfernung von »Smartmetern« auch aus gesundheitlichen Gründen an. In Österreich gibt es erst gar keine Einbaupflicht. »So entsteht der Eindruck«, schreibt Margit Krug, »dass die neue Zählwerkstechnologie durch Lobbyorganisationen vor allem eingeführt worden ist, um der Elektronikindustrie und Telekommunikationsindustrie mit überteuerten Produkten gesetzlich verordnete Absatzmärkte zu bieten.«

Die Autorin erläutert detailliert, welche Rechtsgrundsätze und Gesetze ausgehebelt werden, wenn es bei einem Einbauzwang der funkenden Technologie bleibt. Dabei lässt sie es aber nicht bewenden: Eine ausführliche Anleitung wird gegeben zur Wahrnehmung des Widerspruchsrechtes durch die Verbraucher. Die Broschüre ist wegen der zahlreichen Informationen und Ratschläge zum häuslichen Daten- und Strahlenschutz bei Strom- und anderen Zählern nützlich für Stromkunden, die ihre Rechte wahrnehmen wollen.

Margit Krug: Lauschangriff durch smarte Zähler. Pad-Verlag, Bergkamen 2020, 73 Seiten, 6 Euro, Bezug: Pad-Verlag, Am Schlehdorn 6, 59192 Bergkamen, E-Mail: pad-verlag@gmx.net

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