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Aus: Ausgabe vom 17.10.2020, Seite 10 / Feuilleton
Fernsehen

Nach dem Krieg. Ein TV-Film über »Agent Orange«

Von Stefan Kühner
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»John F. Kennedy war begeistert«: US-Luftwaffe versprüht Agent Orange über Vietnam

Im Arte-Dokumentarfilm »Agent Orange: Die Opfer klagen an« schildern zwei Frauen die Folgen des Einsatzes des Herbizids im Vietnamkrieg und in den USA. Tran To Nga war als Jugendliche im Widerstand auf der Nachschubtrasse Ho-Chi-Minh-Pfad unterwegs, kam als junge Frau direkt mit dem »Agent Orange«-Regen in Berührung. Er fiel auf ihre Haut, sie aß Gemüse, das dem Giftregen ausgesetzt war. Ihr erstes Baby litt unter fürchterlichen Krankheiten, später auch eine weitere Tochter. Heute klagt sie in Frankreich gegen die Hersteller des Herbizids. Ihre Rechtsanwälte nennen es die letzte Chance, die Firmen noch zur Verantwortung zu ziehen für ein bewusst begangenes Verbrechen.

Die zweite Frau ist die US-Amerikanerin Carol Van Strum. Sie berichtet, wie »Agent Orange« in den 70er und 80er Jahren, also nach dem Einsatz im Vietnamkrieg, in den Five-­Rivers-Gebieten (Oregon) aus der Luft versprüht wurde, wie Vögel und andere Tiere verendeten. Auch hier stieg die Zahl der Fehlgeburten und der Neugeborenen mit Missbildungen. Strum wurde zur Umweltschützerin, gründete eine Bürgerinitiative und schrieb das Buch »A Bitter Fog: Herbicides and Human Rights«. Mit dem Kampf gegen die von der Forstverwaltung betriebenen Sprühaktionen machte sie sich schlimme Feinde. Diese zündeten Strums Haus an; ihre Kinder verbrannten. Strum machte weiter. Nach einem langen Rechtsstreit wurde das Sprühen von Pestiziden auf Bundeswälder verboten. Sprühmittel mit den Grundstoffen von »Agent Orange« aber kommen über privaten Wäldern bis heute zum Einsatz.

Der Film von Alan Adelson und Kate Taverna bietet Informationen, die bislang in Berichten über »Agent Orange« eher nicht im Vordergrund standen. John F. Kennedy zum Beispiel war begeistert, diese Massenvernichtungswaffe im Kampf gegen den Kommunismus einzusetzen. Klar wird, dass es sich um chemische Kriegführung handelte und die US-Regierung von den katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt wusste. Nach dem Krieg blieben 7,5 Millionen Liter Herbizide übrig. 5 Millionen wurden durch die US-Regierung vernichtet, Hunderttausende Liter in Deponien vergraben. Sie vergiften die Umwelt bis heute.

Der 55 Minuten lange Film beeindruckt durch eine emotionale, aber dennoch sachliche Darstellung. Er nennt die Verantwortlichen für den Gifteinsatz beim Namen. Sein Hauptaugenmerk aber gilt den Betroffenen. Die Bilder der Opfer aus der dritten und vierten Generation sind teilweise nur schwer zu ertragen. Ermutigend ist das Engagement von Tran To Nga und Carol Van Strum. Beide erklären im Abspann: »Wir tun das nicht für uns, sondern für diejenigen, die es nicht mehr können.«

Der Film ist noch bis Ende November in der Arte-Mediathek abrufbar

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