Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Gegründet 1947 Sa. / So., 26. / 27. September 2020, Nr. 226
Die junge Welt wird von 2356 GenossInnen herausgegeben
Kontra Klimakiller, Protest-Abo! Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Aus: Ausgabe vom 14.09.2020, Seite 8 / Ansichten

Pyrrhus lässt grüßen

Israels Annäherung an Bahrain
Von Knut Mellenthin
RTX7V0ZR.JPG
Protest gegen Bahrains Monarchen Hamad bin Isa Al Khalifa im Gazastreifen (12. September)

Israel normalisiert sein Verhältnis zu den arabischen Despoten, aber nicht zu den von ihnen unterdrückten Völkern. Das sind fragwürdige Siege, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen könnten.

Am Freitag gab US-Präsident Donald Trump bekannt, dass der Inselstaat Bahrain, der knapp die Größe des Bundeslandes Hamburg hat, diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen wird. Das völlig von der Saudi-Dynastie abhängige Königreich folgt damit dem Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate, die diesen Schritt am 13. August ankündigen ließen. Die Vertreter beider Staaten wollen am Dienstag im Weißen Haus zusammen mit Trump und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu an einer Zeremonie teilnehmen, bei der Urkunden für die »Normalisierung« unterzeichnet werden sollen.

Dass weitere arabische Staaten folgen werden, wie sowohl Trump als auch Netanjahu triumphierend versprachen, kann als ausgemachte Sache gelten. Es geht jetzt nur noch um Fragen der Reihenfolge und des Tempos. Eindeutig ist, dass der winzig kleine Inselstaat im vollen Einverständnis mit den Saudis handelt. Riad bewahrte Bahrains Königshaus während des »Arabischen Frühlings« 2011 mit einer Militärintervention vor dem Sturz durch die schiitische Bevölkerungsmehrheit. 2018 stand Saudi-Arabien an der Spitze, als mehrere reiche Golfstaaten zehn Milliarden Dollar Finanzhilfe versprachen, um Bahrains Haushaltsdefizit auszugleichen.

Die Saudis selbst werden sich vermutlich mit der »Normalisierung« nicht beeilen, sondern anderen Staaten den Vortritt lassen. Offiziell sagt man in Riad immer noch, dass es diplomatische Beziehungen zu Israel erst geben werde, wenn »das Palästinenserproblem« gelöst ist. Der Entwicklung der inoffiziellen Kontakte auf allen Ebenen steht dieses scheinbare Zögern nicht im Wege.

Von den vier arabischen Staaten, die nun »normale« Beziehungen mit Israel haben, werden drei – Ägypten, die Emirate und Bahrain – despotisch regiert und lassen weder Oppositionsparteien noch eine halbwegs freie Presse zu. Nur Jordanien hat zwar eine Monarchie, aber es gibt dort wenigstens ein gewähltes, wenn auch öfter kritisiertes Parlament.

Die gesamte Opposition des Königreichs Bahrain hat sich einheitlich in scharfer Form gegen die »Normalisierung« des Verhältnisses zum zionistischen Staat ausgesprochen. Sie schließt Linke und Liberale ebenso ein wie Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und sunnitische »Muslimbrüder«. Alle Oppositionspolitiker befinden sich jedoch spätestens seit 2016 gezwungenermaßen im Exil. Die Situation erinnert an Israels hervorragende Beziehungen zum Folterregime des Schahs, der 1979 gestürzt wurde. Daran können sich große Teile der iranischen Bevölkerung nur zu gut erinnern.

Wann, wenn nicht jetzt?

Die letzten Tage, um das stark vergünstigte und zeitlich begrenzte Aktionsabo der Tageszeitung junge Welt zu bestellen, sind angebrochen: Bis Montag, 28. September gibt es das Protest-Abo, um die junge Welt drei Monate lang für 62 € zu lesen!
 
Eine gute Gelegenheit, um die Tageszeitung gegen Kapitalismus kennenzulernen. Auf zum Endspurt!

Ähnliche:

  • Palästinenser trampelten nach der Bekanntgabe des Abkommens zwis...
    22.08.2020

    Wie Dominosteine

    Nach Deal der Vereinigten Arabischen Emirate mit Israel verhandeln weitere arabische Staaten im geheimen mit Tel Aviv
  • Irans Außenminister Dschawad Sarif (r.) vor dem Treffen mit dem ...
    22.06.2019

    »B-Team« gegen den Iran

    Nach Angriffen auf Öltanker im Golf von Oman beschuldigt Teheran eine Viererallianz
  • Umkämpfter Hafen: Ein Schiff fährt an der jemenitischen Stadt Al...
    08.08.2018

    Vorläufige Entwarnung

    Saudi-Arabien lässt Öltanker wieder durch Meerenge fahren

Mehr aus: Ansichten

Letzte Chance: drei Monate junge Welt  für 62 €. Nur noch bis 28. September bestellbar!