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Aus: Ausgabe vom 05.08.2020, Seite 11 / Feuilleton
Fliegen

Nützliche Hinweise zum Umgang mit Gottes Geschöpfen in der schönen Sommerzeit

Von Pierre Deason-Tomory
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Scheiße fressen ist nicht das, was die Krötengoldfliege ausmacht

Die Sonne scheint, die Straßen werden leiser, die Deutschen fahren in die Ferien und schauen, ob sie nicht irgendwo dieses Virus treffen und nach Hause mitnehmen können. Ich genieße ungestörtes Arbeiten am Schreibtisch, erledige Aufträge, mache Buchhaltung und Büro.
Wenn mir das zu fad wird, stehe ich auf und jage mit meinem Elektrotennisschläger Fliegen. Ich ziehe den Schläger ordentlich durch, dann bitzelt es, die Beute stürzt benommen auf den Fußboden und ich kann sie bei lebendigem Leibe defenestrieren. Meistens schwingen sich die Fliegen wieder empor, wenn ich sie aus dem Fenster geworfen habe, und verschwinden am Horizont.

Nur manche der Kleinen Stubenfliegen (Fannia canicularis) – das sind die, die immer in der Zimmermitte Haken schlagen – vertragen Aufprall und Stromschlag schlechter und fallen beim Ausschütteln des Schlägers am Fenster reglos herab und auf die Wiese vor dem Haus, wo sie von anderen liebenswürdigen Gottesgeschöpfen verspeist werden.

Der Schlag, das sollte ich erwähnen, muss wohl temperiert ausgeführt werden. Das Blitzdingsen alleine reicht nicht. Seit gestern habe ich ein Reißen im rechten Arm.

Bei mir kehren nicht nur hakenschlagende Kleine Stubenfliegen ein, sondern auch die desorientiert herumsausenden etwas größeren Gemeinen Stubenfliegen (Musca domestica) und manchmal sogar diese grässlichen, fetten Schmeißfliegen (Calliphoridae). Sie tragen viel Schillergrün in diesem Jahr.

Es gibt in Deutschland nicht weniger als 45 Arten von Schmeißfliegen. Zwei davon finde ich besonders interessant, weil sie nicht einfach nur Scheiße fressen:

Da wäre zunächst die Krötengoldfliege (Lucilia bufonivora). Sie leicht gerne ihre Eier auf dem Rücken von Erdkröten ab. Kaum geschlüpft, krabbeln ihre Larven durch die Nase ins Innere der Kröte und fressen sich dann langsam durch ihre Weichteile. Superschmeißfliege Nummer zwei ist die Goldfliege (Lucilia sericata), eine nahe Verwandte. Sie macht ziemlich dasselbe, allerdings mit Schafen, die ohne Behandlung am Ende lahm werden und sterben müssen.

Das sollten Sie wissen, wenn Sie mit einem Schaf zusammenleben. Schaffen Sie sich am besten einen Elektrotennisschläger an, und üben Sie an Kleinen oder Gemeinen Stubenfliegen, um auf einen Angriff der notorischen Lucilia sericata vorbereitet zu sein.

Sollte Ihr Schaf eines Tages plötzlich umfallen oder morgens nicht mehr aus dem Bett kommen, dann müssen Sie mit ihm sofort zum Arzt gehen. Bei einer früh eingeleiteten Therapie stehen die Heilungschancen gut.

Unverzichtbar!

»Besonders in der Schule lernt man wenig über die tatsächlichen historischen und aktuellen Zusammenhänge, umso wichtiger ist die junge Welt mit ihrem Beitrag zur Aufklärung.« – Saskia Bär, Studentin

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Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

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