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Aus: Ausgabe vom 03.08.2020, Seite 5 / Inland
»Corona-Jahrgang«

Harte Zeit für künftige Azubis

Krisenbedingte Nachwuchssorgen bei Betrieben, schwierige Orientierung für Jugendliche
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Auszubildender in einer Elektrowerkstatt: Der Chef des Handwerksverbands appelliert an Betriebe, trotz Coronakrise unbedingt auszubilden

Die Coronakrise hat bei künftigen Auszubildenden (Azubis) und bei Betrieben für Probleme gesorgt. Die Berufsorientierung ist deutlich schwieriger geworden: Entsprechende Messen und andere Veranstaltungen fielen aus. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt »macht uns im Moment schon Sorgen«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa den Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, am Sonntag. Das Handwerk sei in der Vermittlung sechs bis acht Wochen hinterher. Von Januar bis Juni seien 16,6 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum.

Die Folgen der Krise belasten viele Betriebe, Umsätze und Gewinne sind eingebrochen. Die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte warnte aber: »Auf die Coronakrise darf keine Fachkräftekrise folgen. Wird jetzt an der Ausbildung gespart, hören wir spätestens nach Corona die Klagen über den Fachkräftemangel. Die Unternehmen müssen alles tun, um bestehende Ausbildungen fortzuführen und neue Ausbildungsplätze zu schaffen.«

Viele junge Menschen aber suchen noch. Im Juli waren nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit noch 201.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. 495.000 betriebliche Ausbildungsstellen waren gemeldet – 43.000 weniger als 2019. Auffällig zurückgegangen seien im Vergleich zum Vorjahr vor allem gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen in Metall- und Elektroberufen, im Friseurhandwerk, in Gastronomie- und Hotellerieberufen sowie in Informatik- und kaufmännischen Berufen.

Die Bundesregierung hat finanzielle Anreize gesetzt. Betriebe, die in der Krise weiter ausbilden oder die Zahl der Lehrstellen sogar erhöhen, bekommen eine Prämie. Es solle verhindert werden, dass es einen »Coronajahrgang« am Ausbildungsmarkt gibt, hatte die FAZ am Freitag Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zitiert.

Auch Wollseifer appellierte an die Betriebe: »Bildet weiter aus und gebt den jungen Leuten eine Chance. Ansonsten fehlen in drei Jahren die Fachkräfte.« Im Handwerk seien momentan bundesweit noch über 33.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt. »Derzeit tun wir alles, um Betriebe und Azubis zusammenzubringen, so dass sich die Lage verbessert«, so der Cheflobbyist. Das Problem in den vergangenen Wochen und Monaten sei gewesen, dass es keinen Austausch zwischen Betrieben und Jugendlichen gegeben und auf den üblichen Wegen keine Berufsorientierung stattgefunden habe. »Weil jeder von den Problemen der Betriebe spricht, sind die potentiellen Ausbildungsbewerber sehr zurückhaltend und verunsichert und fragen sich natürlich: Gibt es die Betriebe in drei Jahren noch?«

Gerade im Handwerk herrsche die Sorge, dass sich nach überwundener Pandemie und dem Konjunkturtal wegen der dann fehlenden Ausbildung im Coronajahr das Fachkräfteproblem weiter verschärfe. »Eine gute Ausbildung bleibt der Schlüssel für eine gute Zukunft. Daran hat sich durch Corona nichts geändert«, betonte Wollseifer. Allerdings halten sich längst nicht alle Betriebe daran.

»Schon vor Corona haben nur noch weniger als 20 Prozent der hiesigen Unternehmen ausgebildet«, sagte DGB-Bundesjugendsekretärin Conte. »Dieser Trend darf sich nicht fortsetzen. Wir fordern eine gesetzliche Ausbildungsgarantie – jedem ausbildungsinteressierten Jugendlichen muss eine Ausbildung angeboten werden.« (dpa/jW)

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