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Aus: Ausgabe vom 29.07.2020, Seite 5 / Inland
Ökologie

Grünen Anstrich verpasst

Versicherungen und Banken spielen die Ökokarte aus – vorneweg die Deutsche Bank
Von Bernd Müller
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Nadelstreifenträger der Deutschen Bank kokettieren mit ökologischem Bewusstsein (London, 19.5.2015)

Die Deutsche Bank gibt sich ökologisch. Das Geldinstitut wolle alle seine Geschäfte weltweit im Bereich Kohleabbau bis 2025 beenden, um den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft weiter voranzutreiben, behauptete das Bankhaus am Montag. Jüngste Recherchen der Umweltorganisation »Urgewald« legen jedoch nahe, dass der Ankündigung nur halbherzige Taten folgen dürften.

Die Deutsche Bank hat eine neue Richtlinie zu fossilen Brennstoffen herausgegeben, die den Geschäftsbereichen Kohle, Öl und Gas enge Rahmen setzen soll. »Die Richtlinie ist so gestaltet, dass sie ehrgeizige Ziele setzt und wir gleichzeitig unsere langjährigen Kunden bei ihrer Transformation begleiten können«, erklärte Vorstandschef Christian Sewing laut AFP. Damit werde die Bank ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Europäische Union bei ihrem Ziel unterstützen, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften.

Konkret bedeutet das: Die Bank erklärt, künftig keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren. Sie will auch ihre Geschäfte mit Energieunternehmen einschränken, die zu mehr als 50 Prozent von der Kohle abhängig sind, und mit ihnen nur noch zusammenarbeiten, wenn sie glaubwürdige Umstiegspläne vorlegen. Für »Urgewald« ist die Ankündigung des Bankhauses nur ein Schritt in die richtige Richtung. »Aus Klimasicht ist er bei weitem nicht groß genug«, erklärte Regine Richter, Energieexpertin der Organisation. Im Jahr 2020 sei deutlich mehr Ehrgeiz nötig.

Am klarsten habe die Deutsche Bank die neuen Regeln für Kohlebergbauunternehmen gefasst. Aber große Konzerne wie BHP Billiton, Anglo American und Glencore haben den Recherchen von »Urgewald« zufolge nichts zu befürchten; die Kohle mache bei ihnen weniger als 50 Prozent des Geschäfts aus. Deren klimaschädlichen Unternehmungen waren dagegen dem Norwegischen Pensionsfonds Anlass genug, sie aus dem Portfolio zu streichen.

Bei den Kraftwerksbetreibern will sich die Bank nach Auffassung von »Urgewald« nicht festlegen, mit welchen Unternehmen sie weiterhin Geschäfte macht. Zwar sollen deren »Anpassungspläne an die Energiewende« geprüft werden; die Prüfung werde aber auch nur bei den Konzernen vorgenommen, deren Kohleanteil an der Stromerzeugung oder der Kraftwerkskapazität bei über 50 Prozent liegt. Unternehmen wie Uniper seien damit gar nicht betroffen. »Von den Regeln der Deutschen Bank ebenfalls nicht betroffen sind Firmen, die trotz der Klimakrise nach wie vor neue Kohlekraftwerke, -minen, -häfen oder -bahnlinien bauen und planen«, heißt es in der Erklärung von »Urgewald«.

Die Deutsche Bank folgt mit ihrem halben Schwenk hin zu mehr Nachhaltigkeit einem internationalen Trend: Immer mehr Versicherungskonzerne und Banken verstärken ihren Druck auf Unternehmen, damit diese nachhaltig arbeiten. Dabei geht es nicht primär um Klimaschutz, sondern um langfristige Profite. Wer Klimarisiken berücksichtige, der erziele letztlich bessere Renditen, wurde ein Vertreter des sogenannten Vermögensverwalters Blackrock unlängst im Handelsblatt zitiert.

Die Konkurrenz der Deutschen Bank geht diesen Weg allerdings konsequenter; die deutsche Großbank könne mit ihren Plänen nicht zur ausländischen Konkurrenz aufschließen, heißt es bei »Urgewald«. So habe beispielsweise die französische BNP Paribas kürzlich erst »starke Kriterien für Unternehmensfinanzierungen« verkündet. Wer neue Kohlekraftwerke oder -minen plant, wird demnach ausgeschlossen. Betreiber müssen in der EU einen Ausstiegsplan bis zum Jahr 2030 vorlegen; weltweit bis 2040. Auch die Royal Bank of Scotland wolle bis 2030 komplett aus der Kohle aussteigen. Firmen mit einem Kohleanteil am Umsatz von über 15 Prozent müssen demnach seit diesem Jahr einen Ausstiegsplan vorlegen.

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  • Reinhard Hopp: Schierlingsbecher Zum Leserbrief »Vorsicht, Gift!«: Na, das ist doch mal eine echt gelungene Realsatire! Zu einer extrem toxischen Bank passen hochgiftige Pflanzen doch ausgezeichnet. Doch leider scheinen diese den dor...
  • Eva Willig: Vorsicht, Gift! Der eine Busch auf dem Foto ist ein Kirschlorbeer, und der ist hochgiftig! Ich fordere schon lange, dass in öffentlichen Grünanlagen keine Giftpflanzen mehr stehen sollen und die herausgenommenen durc...
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