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Aus: Ausgabe vom 29.06.2020, Seite 15 / Politisches Buch
Marxistische Theorie

Originell denkender Ökonom

Zeitschrift Marxistische Erneuerung mit Heftschwerpunkt zu Friedrich Engels
Von Holger Czitrich-Stahl
Zeitgenössisches Gemälde »Der Streik« von Robert Koehler

Nach dem Marx-Jahr 2018 befinden wir uns nun im Engels-Jahr 2020. Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels in Barmen geboren. Es war ihm nicht in die Wiege gelegt, dass er gerade als Sohn eines reichen, international operierenden Textilfabrikanten zum Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus werden sollte. Wohl aber hatte er großes Talent, Neugier und die Fähigkeit zur systematischen Durchdringung von Problemen. Die wissenschaftliche und publizistische Gemeinschaft mit Karl Marx machte beide zu Vorkämpfern der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung.

Die Zeitschrift Marxistische Erneuerung hat Engels nach 1995 nun ein zweites Schwerpunktheft gewidmet. Im Editorial heißt es: »Engels war Intellektueller und Kommunist, Kapitalist und Klassenverräter«. Gleich neun Beiträge analysieren das Denken von Engels und fragen nach dessen Relevanz für die Gegenwart.

Wie konnte aus dem Spross einer reichen und pietistischen Unternehmerfamilie ein Dialektiker und Revolutionär werden, fragt Susanne Schunter-Kleemann und durchleuchtet das biographische und lebensweltliche Umfeld des jungen Engels: den Pietismus, die geistige Enge, den eigenen Ehrgeiz und die Literatur des Vormärz. Gerd Callesen und Georg Fülberth folgen mit ihrem Beitrag über »Engels, Lafargue, Wilhelm Liebknecht und der Internationale Arbeiterkongress in Paris von 1889«. Thomas Kuczynski fragt, ob es einen Wert ohne Warenproduktion gibt. Engels bejahte diese Frage und erwies sich als originell denkender Ökonom, »der sich hinter Marx nicht zu verstecken braucht«.

Klimakrise und gesellschaftliches Naturverhältnis thematisieren gleich drei Beiträge von Herbert Hörz, Sean Sayers und Kaan Kangal. Dabei steht Engels »Dialektik der Natur« im Fokus. Bekanntlich schrieb Engels im »Anti-Dühring« die Thesen Eugen Dührings in Grund und Boden. Michael Klundt bezieht den »Anti-Dühring« auf das Schaffen Thilo Sarrazins und kommt zu interessanten Vergleichen. Abschließend knüpfen zwei Beiträge von Amiya Kumar Bagchi und André Leisewitz/Winfried Schwarz an Engels »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats« an.

Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Heft 122 (Juni 2020), 224 Seiten, Einzelheft: zehn Euro, Bezug: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Postfach 70 03 46, 60553 Frankfurt am Main, E-Mail: redaktion@zme-net.de

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