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Aus: Ausgabe vom 22.05.2020, Seite 16 / Sport
Fußball

Das erste Mal

Aufstieg, Meisterschaft, Sieg im Europapokal der Landesmeister: Der rasante Lauf von Nottingham Forest in den 70ern
Von Rouven Ahl
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Das ging schnell: 1977 noch zweite Liga, feiert hier Nottingham Forest 1979 schon den Sieg beim Europapokal der Landesmeister

Es ist eine Geschichte, die in der heutigen Zeit wohl undenkbar wäre. Der englische Fußballklub Nottingham Forest holte in der Saison 1977/78 als Aufsteiger den Meistertitel. Nur ein Jahr später, 1979, setzte sich das Team des so genialen wie exzentrischen Trainers Brian Clough sogar die europäische Krone auf – mit 1:0 besiegte Nottingham den schwedischen Vertreter Malmö FF im Endspiel. Wie gesagt: heutzutage undenkbar.

Beide Mannschaften trafen sich am 30. Mai 1979 im Münchner Olympiastadion. Das Tor des Tages in einer eher schwachen Partie erzielte Trevor Francis. Große Namen des zeitgenössischen Fußballs liefen damals nicht auf. Bekanntester Spieler auf seiten der Engländer war wohl Peter Shilton, der Torwart.

Es ist nach heutigen Maßstäben schier unglaublich, dass mit Viv Anderson, Frank Clark, John McGovern, Larry Lloyd, Ian Bowyer, Tony Woodcock und John Robertson gleich sieben Spieler in München auf dem Rasen standen, die 1977 den Aufstieg in Englands erste Liga gefeiert hatten. In nur etwa zweieinhalb Jahren holte Nottingham Forest sowohl seine erste Meisterschaft als auch seinen ersten Europapokal.

Trainer Clough ließ einen eher simplen Fußball spielen, der vor allem auf einer stabilen Defensive beruhte. Im Meisterjahr hatte Nottingham in 42 Punktspielen nur 24 Gegentore hinnehmen müssen. Neben Weltklassekeeper Shilton gehörte Viv Anderson damals zu den besten englischen Verteidigern und wurde schließlich zum ersten farbigen Nationalspieler des Landes.

Die individuelle Klasse der einzelnen Spieler war dennoch nicht sonderlich hoch. Zumindest nicht im Vergleich zur Elite des Kontinents. Clough schaffte es aber, eine aufeinander abgestimmte und gut funktionierende Einheit zu formen. Den Titel in der Liga konnte die Mannschaft zwar nicht verteidigen, landete hinter dem FC Liverpool aber immerhin auf dem zweiten Tabellenplatz.

In der darauffolgenden Saison 1979/80 belegte Nottingham Forest zwar nur noch den fünften Rang, schaffte es aber erneut, in das Finale des Europapokals der Landesmeister einzuziehen. Gegner im Madrider Estadio Santiago Bernabéu war der Hamburger SV. Wieder reichte ein 1:0. Das Tor erzielte dieses Mal John Robertson, so etwas wie der Star im Angriffsspiel von Nottingham. Ein Spieler, der viel rauchte und trank sowie Unmengen an Junk Food vertilgte.

Die erfolgreiche Zeit von Nottingham Forest neigte sich mit diesem Triumph dem Ende zu. Heute spielt der Klub in der zweiten englischen Liga. Geblieben ist nur ein großer Name; und die wohl einmalige Statistik, öfter den Europapokal der Landesmeister als den Meistertitel gewonnen zu haben.

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