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Aus: Ausgabe vom 06.04.2020, Seite 1 / Inland
Coronakrise

Bald 100.000 Coronafälle in BRD

Debatte über Beschaffung von Schutzkleidung. Widerstand gegen Einführung eines»Notparlaments«
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Viel zu tun: Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums Essen (1.4.2020)

In der Bundesrepublik sind bis Sonntag vormittag mindestens 91.384 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Mindestens 1.318 mit SARS-CoV-2 Infizierte starben bislang bundesweit. Besonders hohe Zahlen haben Bayern mit mehr als 23.000 nachgewiesenen Fällen und mindestens 370 Toten sowie Nordrhein-Westfalen mit über 19.400 Fällen und mindestens 250 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Bayern mit einem Wert von 176,3 die meisten Infektionen. Der Bundesschnitt liegt bei 109,9. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Wegen der angespannten Situation wird in der Bundespolitik verstärkt über eine forcierte Beschaffung von Schutzkleidung debattiert. FDP-Chef Christian Lindner plädierte in der Welt am Sonntag für eine »nationale Luftbrücke, um in China produzierte Materialien zu uns zu transportieren«. Er habe eigentlich erwartet, dass der deutsche Staat für solche Notlagen Reserven hat. »Wir haben das bei Getreide und Erbsen und Öl – warum also nicht auch bei Schutzmasken und Medikamenten?«

Auch das Präsidium des Deutschen Städtetages zeigte sich wegen des anhaltenden Mangels an dringend benötigten Beatmungsgeräten, an Schutzkleidung und Atemschutzmasken besorgt. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass diese im ganzen Land zur Verfügung stehen und sachgerecht verteilt werden. Für die bessere Ausstattung mit Schutzmasken bedarf es nach Ansicht von Markus Söder (CSU) allerdings »einer nationalen Notfallproduktion«. Das sagte er Bild am Sonntag.

Unterdessen wiesen Vertreter nahezu aller Bundestagsparteien am Wochenende den Vorschlag von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zurück, über die Schaffung eines »Notparlaments« nachzudenken. Dafür müsste das Grundgesetz geändert werden. Der Kofraktionschef der Fraktion Die Linke, Dietmar Bartsch, sagte der Süddeutschen Zeitung, dass seine Partei »das nicht unterstützen« werde. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: »Wir sind arbeits- und beschlussfähig. Auf die Schnelle mache ich so einen Eingriff in das Verfassungsgefüge nicht mit.« (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Istvan Hidy: Was wäre wenn? Das Ausrufen einer Pandemie mit all seinen Folgen muss sorgfältig durchdacht werden. Es müssen alle Vor- und Nachteile nach allen Richtungen hin gegeneinander abgewogen werden, und es muss vor allem d...
  • Peter Richartz, Solingen: Infizierte Zahlen Es ist eine alte, typisch deutsche Krankheit: Wochenlang klagt man über fehlende Atemmasken und Schutzkleidung – in Zeiten abnehmenden Risikos werden dann Millionen neuer Schutzutensilien angefordert,...

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