Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. März 2020, Nr. 75
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 27.03.2020, Seite 15 / Feminismus
Häusliche Gewalt

»Unkonventionelle Lösungen«

Häusliche Gewalt: Leere Hotels sollen Frauen und Kindern während Coronaviruspandemie Schutz bieten
Coronavirus_Hannover_64817209.jpg
Statement auf dem Pflaster am Montag in Hannover

Der Platzmangel in deutschen Frauenhäusern könnte sich durch die Ausgangsbeschränkungen während der Coronaviruspandemie verschärfen. Nach entsprechenden Warnungen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Hilfen für Frauen und Kinder, die zu Hause von Gewalt und Missbrauch bedroht sind, gefordert. »Die Plätze in Frauenhäusern sind schon in normalen Zeiten zu knapp«, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Dienstag der Deutschen Presseagentur (dpa). Deshalb brauche es unkonventionelle Lösungen. Göring-Eckardt schlug vor: »Leerstehende Pensionen und Hotels können umfunktioniert werden, um kurzfristigen Schutzraum zu schaffen.« Der Bund solle dafür Unterstützung gewährleisten. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Dörner sagte der dpa, trotz Kontaktverboten müssten behördliche Hausbesuche möglich sein, wenn der Verdacht bestehe, dass das Kindeswohl gefährdet ist. Auf Youtube und Instagram sollten Krisentelefone für Kinder und Jugendliche beworben werden.

Expertinnen rechnen mit einem Anstieg der Gewalt in den eigenen vier Wänden, weil Schulen und Kitas geschlossen sind und die Menschen in ihren Wohnungen bleiben sollen. »Die Situation kann zu erhöhtem Stress führen«, sagte die Psychologin Anja Stiller vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen laut dpa am Donnerstag. »Wenn in Familien schon latent Konflikte da waren, können diese eskalieren.« Auch Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) rechnet deshalb mit einer deutlichen Zunahme der häuslichen Gewalt, wie er der Deutschen Presseagentur sagte. Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei könnte die Kriminalität in der Öffentlichkeit wegen der Pandemie sinken, dafür aber hinter verschlossenen Türen steigen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hatte in diesem Zusammenhang bereits am Freitag vergangener Woche vor weitgehenden Ausgangsbeschränkungen gewarnt. (dpa/jW)

Mehr aus: Feminismus

Drei Wochen kostenlos: jetzt probelesen!