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Aus: Ausgabe vom 27.03.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Fragiler Marktführer

Trump gegen Ölpreiskrieg

Maximale Förderung in Saudi-Arabien führt zum Ruin vieler US-Produzenten, die auf das Frackingverfahren setzen
Von Knut Mellenthin
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»Strategische Partner«, aber eher nicht beim Ölpreis: US-Präsident Donald Trump und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman (r.) beim G-20-Gipfel im Juni 2019 in Osaka

Seit Anfang Januar befinden sich die Ölpreise in steilem Absturz. Damals lag die international wichtigste Orientierungsmarke, die Nordseesorte Brent, noch bei 67 US-Dollar (rund 62 Euro) pro Fass (Barrel; 159 Liter). Seit der letzten Januarwoche wurde der Preis ständig unter 60 US-Dollar notiert, seit Anfang März kosteten 159 Liter Brent weniger als 50 US-Dollar. Aber damit war der Tiefpunkt noch lange nicht erreicht. Inzwischen wird Brent mit weniger als 30 US-Dollar notiert. Am Donnerstag vormittag waren es 29,48 US-Dollar, während der für Nordamerika maßgebliche Orientierungswert der Sorte WTI (West Texas Intermediate) bei 23,27 US-Dollar lag. Die Preise drückten eine ganz leichte Erholung gegenüber den Vortagen aus, die vor allem der Bekanntgabe eines zwei Billionen (2.000 Milliarden) Dollar schweren Unterstützungspakets durch die US-Regierung zuzuschreiben war.

Die Verbilligung hatte sich mit der Ablehnung Russlands beschleunigt, sich an einer weiteren Kürzung der Ölförderung durch die von Saudi-Arabien dominierte OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) zu beteiligen. Das Kartell hatte am 5. März vorgeschlagen, erstens die schon früher beschlossene Kürzung der Produktion um zwei Millionen Fass pro Tag (bpd) bis zum Jahresende zu verlängern und zweitens eine zusätzliche Kürzung um 1,5 Millionen bpd vorzunehmen. Diese Maßnahme sollte zunächst bis zum 30. Juni gelten und dann auf ihre Wirkung hin überprüft werden. Zwei Drittel dieser Förderungssenkung sollten auf die OPEC entfallen, hauptsächlich auf Saudi-Arabien, der Rest auf Russland.

Moskau lehnte diesen Vorschlag mit der Begründung ab, man sei mit dem gegenwärtigen Ölpreis, der damals bei 48 US-Dollar lag, zufrieden, und außerdem hätten von den bisherigen Einschränkungen der Produktion durch die OPEC und ihre Partner nur die Ölkonzerne der USA profitiert. Daraufhin kündigte die saudische Regierung eine enorme Steigerung ihrer Förderung an. Das Staatsunternehmen Aramco gab Mitte März bekannt, es wolle seine Produktion ab Anfang April auf 12,3 Millionen bpd erhöhen. Das sollte zunächst durch Abbau der großen Lagerbestände erfolgen. Später werde man die maximale Kapazität von bisher zwölf auf 13 Millionen Fass pro Tag erhöhen. Vertreter der Geschäftsführung behaupteten, Aramco komme mit einem Preis von 30 US-Dollar ganz bequem zurecht. Im Gegensatz dazu gehen internationale Experten seit langem davon aus, dass Saudi-Arabien einen Ölpreis von 60 US-Dollar benötigt, um einen halbwegs ausgeglichenen Staatshaushalt aufstellen zu können.

Eindeutig negativ sind die Prognosen für die Ölförderung der USA, insbesondere für den Motor ihres rasanten Wachstums in den letzten Jahren, das Frackingverfahren. Mit gegenwärtig etwas mehr als 13 Millionen Fass täglich sind die Vereinigten Staaten seit 2018 größter Ölförderer der Welt. Aufgrund des Zusammentreffens der Coronaviruspandemie mit einer Rezession, die schon im vorigen Jahr begonnen hatte, wird in absehbarer Zeit mit einem Sinken der US-Produktion um ein bis zwei Millionen Fass pro Tag gerechnet.

Die Prognosen gehen davon aus, dass die Hälfte der oft hoch verschuldeten Produzenten des sogenannten Shale-Öls (Schieferöl), das kapitalintensiv aus Gesteinsschichten gepresst wird, im Laufe der kommenden Monate bankrott gehen können. Unklar ist nur, ob die Unternehmen einen WTI-Preis von 35 oder von 45 US-Dollar pro Fass bräuchten, um ohne große Verluste fördern und nebenbei auch noch Dividenden an die Aktionäre auszahlen zu können. Viele Unternehmen haben inzwischen umfangreiche Kürzungsmaßnahmen vorgenommen und Bohrstellen stillgelegt. Geschädigt sind nicht nur die Banken, deren Kredite nicht mehr bedient werden können, sondern mehr noch die Hersteller, Verkäufer und Verleiher der benötigten Geräte.

Während US-Präsident Donald Trump die Saudis vor vier Jahren aufforderte, mehr Öl zu fördern, um ein Sinken der Preise zu bewirken, drängt die US-Regierung ihre »strategischen Partner« in Riad jetzt, den »Preiskrieg« zu beenden und ihre Produktion wieder herunterzufahren.

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