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Aus: Ausgabe vom 23.03.2020, Seite 8 / Ansichten

Knalltüte des Tages: Tilman Jens

Von Arnold Schölzel
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Tilman Jens

Von Nebensachen wie Corona unbeirrt, erfüllt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) seinen Daseinszweck: Rächer aller in der DDR Enterbten, also fast aller DDR-Bürger. So klärt Journalist Tilman Jens auf der MDR Kultur-Internetseite auf: »Wie in der DDR private Kunstsammler enteignet wurden«. Erste Sensation im ersten Satz: »Auch in der DDR gab es eine Kunstsammlerszene.« Zweiter Knaller: »Klein, aber interessant für die Stasi! Die geheime Mission: Kulturgut konfiszieren und für harte Devisen in den Westen verkaufen.« Nun liege erstmals eine Dokumentation vor, »die auf das Vorgehen, aber auch auf die ehemals enteigneten Besitzer schließen lässt.« Die Schließanleitung stammt von zwei Angestellten der »Stasi«-Unterlagenbehörde.

Kunst hatte in der DDR ein Millionenpublikum, es gab viele Sammler. Denen bot z. B. die Junge Welt eine eigene Grafikedition – wie heute jW. Alles begann, lässt Jens einen »Experten« weit ausholen, mit dem Gastspiel von Louis Armstrong (­O-Ton MDR: »Große Augen, breiter Mund«) 1965 in der DDR: Danach sei klar gewesen, wieviel ein Weltstar kostet. Die DDR – eine Spätzünderanstalt. Später waren daher Kunst und Antiquitäten Teil von Gastspielgagen. Und die musste die »Stasi« vom Wiener Burgtheater über Leonard Bernstein bis Bob Dylan heranschaffen? Wie es war, beschrieb der langjährige Generaldirektor der DDR-Künstleragentur Hermann Falk 2015 in »Zu Gast in der Welt. Die Welt zu Gast«: Austausch und Subventionen. Aber da es nur um die DDR geht, wird auch aus Nichts Journalismus, und es liegt, so Jens, nun ein »Findbuch« für Kunstwerke vor, »die in ihrer Provenienz Namen aufweisen könnten von ehemaligen Besitzern, denen sie in der DDR unrechtmäßig weggenommen wurden«. Tja, »könnten«. Ein Anwalt: »Wir haben mit mehr als einem Dutzend solcher Fälle zu tun.« Die reichen MDR und Autor fürs leistungslos erzielte Honorar.

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