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Aus: Ausgabe vom 05.03.2020, Seite 15 / Medien
Eine Art Show

Gezähmte Medien

Monarchie: In den Niederlanden halten sich Presse und TV an den »Kodex«. Verstöße werden mit Ausladung geahndet
Von Gerrit Hoekman
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»Ist es richtig so?« Königsfamilie beim Presseauftritt am 26. Februar in Lech am Arlberg

Lachende Gesichter, ein Küsschen für den Papa und zum Abschluss ein paar kecke Schwünge im weißen Schnee – die niederländische Königsfamilie bat vergangene Woche wieder für eine halbe Stunde zum offiziellen Fototermin im österreichischen Lech am Arlberg, wo sie im schicken Fünfsternegasthof »Post« seit 1959 ihren Skiurlaub verbringt.

Wie jedes Jahr schossen die Fotografen fleißig Fotos, die Kameraleute filmten wie verrückt, denn mehr Material wird es von den Royals während der Ferien nicht geben. Dafür sorgt eine Abmachung zwischen dem Königshaus und den niederländischen Medien. Die besagt: Am ersten Tag bieten König Willem-Alexander, seine Frau Maxima und ihre drei Töchter ein paar schöne Posen an und werden den Rest des Urlaubs von den Paparazzi in Ruhe gelassen.

Klare Regeln

Mit kritischer Berichterstattung hat das Prozedere natürlich nichts zu tun. 40 Leute stehen hinter einem Seil und knipsen alle die gleichen Bilder. Die Fotografen rufen der Königsfamilie zu, wie sie es gerne hätten, und der König fragt manchmal nach: »Ist es richtig so? Oder besser anders?« Trotzdem sei der Termin äußerst beliebt, erzählt der Fotograf Wesley de Wit am 25. Februar gegenüber der Nachrichtenseite Nu. Wegen der drei »Prinsesjes« Amalia (16), Alexia (14) und Ariane (12). »Das letzte Mal haben wir sie im Juli gesehen«, so De Wit.

Die drei Mädchen sollen eine normale Kindheit verleben, nicht immer unter Beobachtung stehen. Das gilt als Grund für den Medienkodex, der nicht nur für den Urlaub gilt, sondern für alle privaten Aktivitäten der Königsfamilie. Da versteht seine Majestät keinen Spaß: Wer diese Regeln missachtet, wird zu den offiziellen Fototerminen nicht mehr eingeladen.

Heuer traf es RTL Boulevard. Das TV-Format, das von belanglosen Geschichtchen aus der Welt der (vermeintlich) Schönen und Reichen lebt, hatte einen Monat zuvor ein nichtautorisiertes Foto aus der »Schouwburg« in Den Haag gezeigt, auf dem Willem-Alexander und Maxima als Zuschauer eines ­Weihnachtsmusicals zu sehen sind, in dem auch Kronprinzessin Amalia auftrat.

Das Presseamt der Regierung, der »Rijksvoorlichtingsdienst« (RVD), beschuldigte RTL, Boulevard in die Privatsphäre der Oranjes (benannt nach dem früheren Fürstentum von Orange im Osten Frankreichs) eingedrungen zu sein. »Auch die Mitglieder des Königshauses haben das Recht, um sich während solcher privaten Gegebenheiten unbeobachtet zu wähnen«, hieß es in einer Reaktion. Die Folge: Keine Akkreditierung für das Fotoshooting im Schnee.

Dabei hatte der Sender nur ein Foto übernommen, das die Schouwburg selbst auf Instagram geteilt hatte. »Sie bringen es an die Öffentlichkeit, und wir zeigen es ebenfalls, und dann gibt es eine Sanktion für ein Programm, das noch nie etwas falsch gemacht hat«, empörte sich Marc van der Linden, der »Königshausexperte« des Privatsenders. »Woher nimmt das Presseamt das Recht, das selbst zu bestimmen und zum Beispiel nicht einen Richter darüber entscheiden zu lassen?«

Aus der Zeit gefallen

Kritiker halten den Kodex ohnehin für aus der Zeit gefallen. Auf Twitter und Facebook gibt es inzwischen viele Dutzend Fotos der Familie, die von Privatpersonen gemacht wurden, als sie den Royals zufällig begegneten. Manche »Untertanen« hegen in den sozialen Medien den Verdacht, die Königsfamilie möchte nicht, dass sie mitbekommen, wie luxuriös die Herrschaften leben. In Lech beziehen sie im Gasthof zum Beispiel zwei Apartments, die angeblich jeweils um die 2.000 Euro pro Nacht kosten.

Ralf van den Veerdonk hat 2018 einen Werbefilm über den Gasthof »Post« gemacht. »Man sieht vor allem Millionäre und Milliardäre«, erzählte er kurz danach bei RTL Nieuws. Schon Hollywood-»Fürst« Johnny Depp, Rennfahrer Sebastian Vettel und – man höre und staune – auch der niederländische Liedermacher Herman van Veen sollen dort abgestiegen sein. »Der Reichtum der Leute, die da hinkommen, ist wirklich bizarr. Viel Pelz und Luxusmarken«, plauderte Van den Veerdonk aus. »In unserer Crew nannten wir das Hotel spaßeshalber ›Hotel Porsche‹«.

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