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Aus: Ausgabe vom 28.02.2020, Seite 6 / Ausland
Österreich

Strache will’s noch mal wissen

Ex-FPÖ-Chef erklärt Kandidatur bei Wiener Landtagswahl für »Die Allianz für Österreich«
Von Johannes Greß, Wien
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Heinz-Christian Strache am Mittwoch abend beim politischen Aschermittwoch von »Die Allianz für Österreich« in Wien

Heinz-Christian Strache will es noch mal wissen. Nach seinem Ausschluss aus der FPÖ will der gescheiterte Exvizekanzler für die Abspaltung »Die Allianz für Österreich« (DAÖ) zur voraussichtlich im Herbst stattfindenden Landtagswahl in Wien kandidieren. Das gab Strache in einer gut einstündigen Rede beim DAÖ-Aschermittwochstreffen in der Wiener Prater Alm bekannt.

Die bis dato wenig bekannten FPÖ-Gemeinderäte Karl Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler hatten DAÖ einen Tag vor Straches Parteiausschluss im Dezember 2019 gegründet. Vom ersten Tag an machten die drei keinen Hehl daraus, dass sie sich Strache als Vorsitzenden wünschten. Der jedoch zierte sich, lehnte zunächst ab, um dann vage anzudeuten, dass er unter Umständen doch dafür bereitstehen könnte. Dass der Ex-FPÖ-Chef nun noch einmal den Hut in den Ring wirft, überrascht kaum. Nach 14 Jahren an der Spitze der Freiheitlichen Partei lässt es sich für einen Strache ohne Rampenlicht offenbar schlecht leben.

Wenn es an diesem Mittwoch abend an einem nicht mangelte, dann waren das große Worte. »Gemeinsam können und werden wir Geschichte schreiben«, verkündete Strache, nun endlich wieder im Scheinwerferlicht. »Man kann niederfallen, muss aber wieder aufstehen«, erklärte er gewohnt selbstbewusst, allerdings im Sitzen, da er sich im Skiurlaub einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Inhaltlich brachte Straches Rede indes wenig Neues, ein paar Seitenhiebe gegen SPÖ und Grüne sowie gegen seine frühere Partei, der es nach seinem Abgang »sowohl am Master als auch am Mind« fehle.

Auch dass gegen Strache derzeit noch ein paar Strafverfahren ausstehen, sollte an diesem Abend keinem die Stimmung vermiesen. Mit Bezug auf den »Ibiza-Skandal«, der seiner politischen Karriere ein vermeintlich jähes Ende bereitet hatte, sowie den Spesenaffären, die in den Monaten danach zu seinem Parteiausschluss geführt hatten, sieht sich Strache nach wie vor als Opfer dunkler Machenschaften, von »anonymen Verleumdungen und Anpatzungen«. Er jedoch habe »ein reines Gewissen«. Und: »Je mehr sie mich attackiert und verfolgt haben, umso stärker ist die Entscheidung gereift, noch einmal für die Österreicher in den Ring zu steigen.«

Dass Strache die Wahl in Wien persönlich viel bedeutet, ist bekannt. Im 3. Gemeindebezirk befindet sich seine politische Heimat, hier hat er seinen engsten Unterstützerkreis, in der Hauptstadt begann seine politische Karriere, vom 21jährigen Bezirksrat bis zum Hoffnungsträger der Partei 2004. Bei seinem letzten Versuch im Jahr 2015, das »rote Wien« nun endlich zu einem »blauen« zu machen, unterlag Strache dann – allen Ankündigungen zum Trotz – deutlich. Dass er sich nach der Wahl im Herbst auf den Thron im Wiener Rathaus schwingt, gilt als noch unwahrscheinlicher als bei seinem letzten Versuch.

Auch wenn das neue DAÖ-Projekt bisher kaum einen Unterstützerkreis hat und Strache mittlerweile auch in Teilen der FPÖ-Wählerschaft zur Persona non grata avancierte, sieht sich der Ex-FPÖ-Chef als ernstzunehmenden »Herausforderer von Michael Ludwig«, dem derzeitigen SPÖ-Bürgermeister. Mit seiner Partei wolle er im Ergebnis »deutlich zweistellig« werden. Laut aktuellen Umfragen könnte Strache zwar tatsächlich in den Wiener Gemeinderat einziehen, von einem Resultat jenseits der zehn Prozent kann allerdings keine Rede sein.

Zunächst muss die neue »Allianz« ohnehin die notwendigen Unterstützungserklärungen sammeln, um zur Wahl antreten zu dürfen. Er und die DAÖ-Gründer würden daher in den kommenden Wochen um tatkräftigen Beistand bei den »wirklich freiheitlichen Freunden und Patrioten« werben, um »unseren Werten« in Wien wieder eine gewichtige Stimme zu verleihen. »Ich werde schauen, dass der echte Wiener nicht untergeht. Wir werden die FPÖ überholen!« ließ Strache schon letzte Woche via Boulevardpresse verkünden.

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