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Aus: Ausgabe vom 18.02.2020, Seite 11 / Feuilleton
Sachbuch

Immer schön locker bleiben

Daniel Krause erzählt von seinem Leben als Punkboy in der DDR
Von Frank Willmann
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Ich muss zugegeben, dass mich die derzeitige Tätigkeit des Autors Daniel Krause als Reality-TV-Sternchen bei RTL II erst ein wenig abgeschreckt hat. Aber man soll ja immer schön locker bleiben. Und außerdem ist Punk für alle da, auch für Erich Honekka. Ein neues Buch über den Ostpunk also. Muss das sein? Ja. Weil man in Meister Krauses Erinnerungswerk mit dem markig-blöden Titel »Freiheit unterm Ladentisch« ein wirklich erzählenswertes DDR-Leben erzählt bekommt.

Das Buch setzt Mitte der 80er Jahre ein und torpediert uns nach Ostberlin, als es für Punks seitens der Staatsmacht nicht mehr so hart zuging wie Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Der junge Daniel wurde mit Adolar sozialisiert, dem ungarischen Jungen, der jeden Sonntag im DDR-Fernsehen mit Köter und aufblasbarem Raumschiff den Kosmos erkundete und allerhand Unfug mit Marsmenschen, fiesen Robotern und merkwürdigen Astralviechern anstellte.

Am Stadtrand aufgewachsen, trieb es Daniel immer mehr ins Zentrum, bis er am Alex und am Fernsehturm landete, schon damals der Treffpunkt der Punks. Seine Eltern waren sehr tolerant und ließen ihren Buben mit gefärbten Haaren, zerrissenen Klamotten und allerhand Tand behangen durch die Gegend stiefeln. Neben ihm immer sein bester Kumpel Sven, ein Außenseiter wie er: »Im zweiten Schritt kamen unsere Pullover und T-Shirts an die Reihe. Denen wurden die Ärmel gekappt und ebenfalls individuelle Designs mit Lack und Filzstiften verpasst. Dann kamen die Haare. Waren sie vorher nur wirr und strubbelig gewesen, wurden sie jetzt mit Privileg-Rasiercreme hochtoupiert und mit Tusche rot gefärbt.«

Ärger ließ nicht lange auf sich warten. Scheißegal. Die zwei waren jung, wollten ihren Spaß und nahmen ihn sich. Schön punkig aufgebrezelt konnte man sich sehen lassen. Die Frage war nur: Wo? In den Arbeiterkneipen gab’s gleich aufs Maul, bei der FDJ riefen sie den Friseur. Wohin …? Na, innen Plänti, den Plänterwald. Und auf die Insel der Jugend! Nach und nach erobern sich die frischgeschlüpften Punks die Stadt und lernen andere junge Außenseiter kennen.

Das Buch ist empfehlenswert, weil es zwischen lustig dargestellten Jugendszenen in der DDR auch von Repressalien gegen solche Alternative handelt, die, ohne politisch sein zu wollen, zu Staatsfeinden gemacht wurden. Frei nach dem Motto: Warum nicht auf einen Spatzen mit ’nem Panzer anlegen, könnte ja mal ein Elefant werden. Einen Gefallen hat man sich damit nicht getan.

Daniel Krause: Freiheit unterm Ladentisch. Mein Leben als Punk in der DDR. Riva-Verlag, München 2019, 208 Seiten, 14,99 Euro

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