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Ein Lehrstück

Von Marek Lantz
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Hat die Faxen dicke: Leroy Kwadwo (M.) von den Würzburger Kickers lässt sich rassistische Beleidigungen nicht gefallen. (14.2.2020)

Ein eindrückliches Wochenende bot die Premium-Unterklasse des hiesigen Kickwesens: Während sich die Drittliga-Topteams MSV Duisburg und FC Ingolstadt überraschende Ausrutscher leisteten, sorgte ein torloses Remis schon am Freitag abend für das medial größte Aufsehen des Spieltags.

Fußballerisch war es zwar eher Magerkost, die das stark abstiegsgefährdete einstige Bundesliga-Gründungsmitglied Preußen Münster und dessen Gast Würzburger Kickers beim 0:0 ablieferten, doch bot die Endphase des Spiels ein bemerkenswertes Lehrstück in gelebter antirassistischer Praxis. Würzburgs dunkelhäutiger Abwehrspieler Leroy Kwadwo war in der 86. Spielminute von der Tribüne aus mit Affenlauten beleidigt worden. Kwadwo nahm dies nicht hin und ließ sich nicht einschüchtern, sondern reagierte wütend, ging zur Tribüne und deutete auf das rassistische Arschloch. Die Preußen-Fans, die in der Nähe des Täters saßen, quittierten dies mit Applaus und taten es Kwadwo gleich, indem sie den Ordnungskräften ebenfalls anzeigten, wer der rassistische Aggressor war. Lautstarke »Nazis raus!«-Rufe folgten alsbald. Auch die Art und Weise, wie sich Kwadwos Münsteraner Gegenspieler und das Unparteiischengespann um Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf dem Platz sofort, eindeutig und erkennbar mit dem rassistisch Attackierten solidarisierten, und der glückliche Umstand, dass dies von den TV-Bildern eingefangen wurde, ließen die insgesamt nur gut einminütige Sequenz wie ein Lehrstück in politischem Alltagsverhalten wirken. Dem Täter wurde mittlerweile eine dreijähriges bundesweites Stadionverbot auferlegt. Kwadwo bedankte sich am Samstag via Social Media für die Unterstützung des Publikums: »Eure Reaktion ist vorbildlich – Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet«, wendete er sich direkt an die Preußen-Anhänger.

Sportlich half das torlose Remis eher den Kickers weiter, die den Abstand auf die Abstiegsränge wahrten. Münster verbleibt hingegen mit sieben Zählern Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang im tiefsten Tabellenkeller und scheint neben Carl Zeiss Jena und der SG Sonnenhof Großaspach schon frühzeitig als dritter direkter Absteiger festzustehen.

Näher zusammengerückt ist man dagegen am entgegengesetzten Tabellenende, wo Spitzenreiter MSV Duisburg und der zweitplazierte FC Ingolstadt sich jeweils 0:1-Niederlagen einhandelten. Während der FCI durch ein spätes Tor von Franck Evina gegen den KFC Uerdingen verlor, patzte der MSV in Zwickau. Per Kopfballtreffer sicherte Gerrit Wegkamp dem FSV den unerwarteten Dreier, mit dem man sich ein wenig von der Abstiegszone absetzen konnte.

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