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Aus: Ausgabe vom 14.02.2020, Seite 16 / Sport
Rodeln

Verlorene Herrlichkeit

Vom Unschlagbaren zum Außenseiter: Rennrodler Felix Loch vor der WM in Sotschi
Von Uschi Diesl
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»Wenn man immer Fehler drin hat, dann macht man sich seine Gedanken« – Felix Loch

Jahrelang schien Rennrodler Felix Loch unschlagbar in der Eisrinne. Mittlerweile tut er sich schwer, überhaupt mal ein Rennen zu gewinnen. Ohne einen einzigen Saisonsieg fährt er zur WM in Sotschi am Wochenende. »Das passt schon, das wird schon, ich habe das Rodeln nicht verlernt«, beteuert der 30jährige vor den Titelkämpfen, räumt dann im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst aber doch ein: »Wenn man immer Fehler drin hat, dann macht man sich seine Gedanken.« Am Rekordweltmeister – 13 Titel – nagen die Zweifel: »Natürlich braucht man als Sportler Ergebnisse, um die nötige Sicherheit zu haben.«

Passt alles, ist Loch immer noch schnell. In der vergangenen Saison kam er auch ohne Sieg zur Heim-WM in Winterberg und holte den Titel. Doch ein Jahr später liegen die Dinge anders. Selbst mit einer tadellosen Leistung könnte Loch in Sotschi am Podest vorbeirodeln. Die Russen Roman Repilow und Semjon Pawlitschenko dominieren die Saison und dürften auf ihrer Heimbahn kaum zu schlagen sein. »Sie sind das Maß der Dinge«, sagt Loch.

Geboren wurde er im Juli 1989 in Sonneberg, DDR. Sein Vater Norbert war dort damals Nachwuchstrainer der Rodler. Der Senior hatte noch die Kinder- und Jugendsportschule Oberhof besucht, bei Olympia 1984 in Sarajevo war er 13. geworden, hatte danach ein Trainerstudium an der renommierten DHfK in Leipzig absolviert. 1992 wurde er vom bayerischen Landesverband abgeworben, zog mit der Familie nach Berchtesgaden und baute dort vier Athleten auf, die bei Olympia 2014 in Sotschi sämtliche Rodelgoldmedaillen abräumten, darunter Natalie Geisenberger und Sohn Felix.

Die Herrlichkeit ist vorbei. Auch wenn Felix Loch nur noch entfernt an seine besten Jahre erinnert, auf ihm ruhen weiterhin die größten Hoffnungen des deutschen Verbandes. Neben ihm fährt einzig der Oberhofer Johannes Ludwig noch hin und wieder Spitzenzeiten, konstant ist er nicht.

Bei den Frauen haben sich die Olympiasiegerinnen Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger in die Babypause verabschiedet, in die Lücke ist die 23jährige Julia Taubitz gestoßen. Im Weltcup kämpft sie noch um den Gesamtsieg, im WM-Titelrennen in Sotschi dürfte sich Tatjana Iwanowa als die härteste Rivalin erweisen, und die hat Heimvorteil.

Bei den Doppelsitzern sind Tobias Wendl und Tobias Arlt Titelfavoriten, die zwei noch nicht genannten Sotschi-Olympiasieger aus der Berchtesgadener Trainingsgruppe von Norbert Loch. Allerdings ist auch in dieser Disziplin mehr als in den vergangenen Jahren mit Teams aus Russland und Lettland zu rechnen.

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