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Aus: Ausgabe vom 13.02.2020, Seite 8 / Ansichten

Politökonom des Tages: Sinowij Swereda

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»O! say can you see by the dawn’s early light«: Das Sternenbanner könnte bald über ukrainischem Acker wehen, aus privatem Interesse

Die geplante Privatisierung des Ackerlandes in der Ukraine erhitzt dort weiterhin die Gemüter. Wie sehr, zeigt sich auch an der Qualität der Beiträge in dieser Diskussion. Die vorläufige Krone setzte der Debatte dieser Tage im ukrainischen Fernsehen der Ökonom Sinowij Swereda auf. Er konterte das bei den Gegnern des Vorhabens verbreitete Argument, es drohe ein Ausverkauf nationalen Reichtums an Ausländer, indem er es umdrehte: Die Ukraine müsse den Boden sogar an Ausländer verkaufen. Warum? »Wenn wir das Land entlang der Grenze zu Russland an Amerikaner verkaufen, dann werden uns die USA zu Hilfe kommen, wenn uns Russland angreift. Denn dann haben sie dort ihr Privateigentum zu verteidigen.«

Das kommt davon, wenn einer Lenins Imperialismusschrift nur noch in Papas Bücherschrank vorfindet und sie dann noch nicht einmal versteht. Denn in dieser Studie geht es zwar darum, wie kapitalistische Nationen die Welt untereinander aufteilen und Kriege um diese Beute führen, aber an keiner Stelle ist die Rede davon, dass die Aufgeteilten dabei etwas mitzureden hätten. Wer solche Überlegungen anstellt, leistet sich den Widerspruch sklavischen Stolzes. Die Hoffnung, die USA durch »wirtschaftliche Anreize« an sich zu interessieren, offenbart einen Kurtisanenmaterialismus, der zum Ausgangspunkt nimmt, dass die Ukraine für die USA Mittel zum Zweck ist. Und wenn, dann als Schlachtfeld weitab der Heimat. So endet eine »Revolution der Würde«, die beansprucht, die Ukraine aus dem halbkolonialen Status eines »Kleinrusslands« (so hieß das Land zu Zarenzeiten) herausgeführt zu haben, konsequent im Mikroamerikanismus. Im großen bei Staatschef Wolodimir Selenskij, der die Privatisierung mit der »Meinung der ausländischen Partner« begründet, im kleinen bei Denkern wie diesem Sinowij Swereda.

Reinhard Lauterbach

Debatte

  • Beitrag von Hans-Georg T. aus Berlin (13. Februar 2020 um 05:41 Uhr)
    Nach dieser Logik schlage ich vor, die ganze Welt an die Amerikaner zu verkaufen, dann haben wir endlich Frieden auf Erden.

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