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Aus: Ausgabe vom 13.02.2020, Seite 6 / Ausland
Venezuela

Wütender Empfang

Juan Guaidó kehrt von Auslandsreise nach Venezuela zurück. USA verschärfen Sanktionen gegen Fluglinie
Von Frederic Schnatterer
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Anhänger von Maduro machen Guaidó bei dessen Abfahrt vom Flughafen deutlich, was sie von ihm halten (11.2.2020)

Ein warmer Empfang sieht anders aus: Auf den Oppositionspolitiker und selbsternannten »Übergangspräsidenten« Juan Guaidó wartete bei seiner Landung auf dem internationalen Flughafen »Simón Bolívar« nahe der venezolanischen Hauptstadt Caracas am Dienstag nachmittag (Ortszeit) eine erboste Menschenmenge. Wie auf in den sogenannten sozialen Netzwerken veröffentlichten Videos zu sehen ist, beschimpften Dutzende den Politiker als »Verräter«, »Vaterlandsverkäufer«, »Faschisten« und »Mörder«. Guaidó, der auf Twitter noch immer regelmäßig behauptet, »Millionen« seiner Landsleute stünden hinter ihm, dürfte sich die Rückkehr von seiner 23tägigen Auslandsreise anders vorgestellt haben.

Nachdem er Anfang des Jahres den Vorsitz der Nationalversammlung verloren hatte, konzentrierte Guaidó seine Bemühungen um Aufmerksamkeit wieder auf sicheres Terrain. Im Januar überquerte er zunächst heimlich die Grenze nach Kolumbien, wo er in Bogotá mit Staatschef Iván Duque und US-Außenminister Michael Pompeo zusammenkam. Im Anschluss tourte er durch mehrere europäische Länder, später flog er in die USA. Seine Wiedereinreise nach Venezuela war mit Spannung erwartet worden, da Guaidó mit dem Grenzübertritt nach Kolumbien gegen eine gerichtlich verfügte Ausreisesperre wegen laufender Strafverfahren verstoßen hatte. Die venezolanischen Behörden ließen den Politiker jedoch einreisen.

Im Ausland hatte sich Guaidó bei seinen Verbündeten für eine härtere Gangart gegenüber der venezolanischen Regierung von Präsident Nicolás Maduro eingesetzt. Während es die EU-Vertreter vorerst bei Absichtsbekundungen beließen, konnte sich der Oppositionspolitiker auf die Trump-Administration verlassen. Neben der demonstrativen Unterstützung auch durch so namhafte Politiker der Demokratischen Partei wie die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, konnte Guaidó am Ende seiner Reise auch handfeste Resultate vorweisen. So verkündete das Finanzministerium in Washington am vergangenen Freitag, alle 40 Flugzeuge der venezolanischen Airline »Conviasa« auf seine »schwarze Liste« zu setzen. In der Folge werden US-Bürgern jegliche Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen verboten. Zur Begründung erklärte US-Finanzminister Steven Mnuchin, die venezolanische Regierung nutze die Airline unter anderem dafür, ihre »politische Agenda voranzutreiben« und die »Funktionäre des korrupten Regimes« in Länder wie Nordkorea, Kuba und Iran zu bringen.

Von der Maßnahme betroffen sind jedoch in erster Linie die über 2.000 Beschäftigten des Staatsunternehmens. Kein Wunder, dass es zu einem großen Teil diese waren, die Guaidó bei seiner Ankunft am Flughafen bereits bei der Passkontrolle umringten. Trotzdem konnte der Oppositionspolitiker den Flughafen unbeschadet verlassen, wobei die französische Vertretung, deren Botschafter Romain Nadal nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur Sputnik persönlich anwesend war, mutmaßlich Unterstützung leistete. Doch auch auf den Straßen von Caracas machten Anhänger der legitimen Regierung ihrer Ablehnung des Rückkehrers Luft und versuchten teilweise, die Fahrbahn zu blockieren.

Trotz der offensichtlich ablehnenden Haltung großer Teile der Bevölkerung zeigte sich Guaidó zuversichtlich. Schon direkt nach der Landung hatte er über Twitter erklärt: »Ich bringe die Entschlossenheit der freien Welt mit, die dazu bereit ist, uns bei der Wiedererlangung von Demokratie und Freiheit zur Seite zu stehen.« Auf einer Versammlung im traditionell rechten Reichenviertel Chacao in Caracas am Dienstag abend kündigte er zudem baldige »Massendemonstrationen«« an. Dass solchen Aufrufen jedoch »die Massen« folgen werden, darf bezweifelt werden. Noch im November des vergangenen Jahres waren diverse Versuche gescheitert, der radikalen Oppositionsbewegung gegen die Regierung von Maduro zu neuem Schwung zu verhelfen.

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