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Aus: Ausgabe vom 11.02.2020, Seite 8 / Ansichten

Kapitalist des Tages: Erzdiözese München

Von Marc Bebenroth
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Wie hätte er gehandelt? Darstellung von Johannes dem Täufer in einer Kapelle der Erzdiözese (München, 20.7.2018)

An der Spitze alte, weiße Männer in langen Roben, die anderen vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben – an der Basis Tausende, die unter prekären Bedingungen Sozial- und Pflegearbeit leisten: Die Aufgabenverteilung ist in der katholischen Kirche traditionell klar geregelt. Und so heißt es in Krisenzeiten auch hier, den Gürtel enger zu schnallen. Zu spüren bekommen das, so verlangt es die althergebrachte Ordnung, die da unten.

Wie die Süddeutsche Zeitung am Montag berichtete, hat die Erzdiözese München und Freising umfassende Stellenstreichungen veranlasst. Ein gutes Viertel aller »Pastoralstellen« soll innerhalb der nächsten zehn Jahre wegfallen. Bis 2030 soll demnach die Zahl der Stellen in der Seelsorge von 1.200 auf 891 gestutzt werden. Der Grund: Vielfach gehen Mitarbeiter in den Ruhestand, und geeignete Nachfolger seien eher rar gesät. Auch vor diesem Traditionsverein und notorisch miesen »Arbeitgeber« machen demografischer Wandel und der sogenannte Fachkräftemangel also nicht halt.

Das Ordinariat in München will dem zum einen mit einer Werbeoffensive begegnen – wir kennen das bereits von der Bundeswehr als ganz normalem Unternehmen – und verstärkt in Bildungseinrichtungen Nachwuchs zum Beispiel für Verwaltungsaufgaben rekrutieren. In der Seelsorge werde die Hälfte der Beschäftigten zu einem Personalpool zusammengefasst, um »flexibel« eingesetzt werden zu können. Auch sollen Quereinsteiger »rasch anfangen und sich während ihrer Arbeit qualifizieren«. Senioren sollen sich auch übers Rentenalter hinaus für die Kirche abmühen. Diese stellt damit erneut ihre Anpassungsfähigkeit an den jeweils herrschenden Zeitgeist unter Beweis und agiert so, wie dies Kapitalisten immer tun.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Alois Sepp, München: Mit Füßen abstimmen Bei diesen erzkonservativen Kardinälen und Bischöfen der katholischen Kurie wundert mich nichts mehr. Man könnte den synodalen Weg vielleicht beschleunigen, wenn man sämtliche Kirchenspenden, sämtlich...
  • N. N.: Beispiel Österreich In der ORF-TV-Thek wird in der Sendung »Eco« vom 6. Februar unter dem Titel »Wie das Unternehmen Kirche funktioniert« erklärt, wie Hunderte Millionen Euro umgesetzt werden und Steuergelder der Kirche ...
  • Heinrich Hopfmüller: Kapazitätsanpassung Nicht nur der demographische Wandel und der Fachkräftemangel machen dem »Kapitalisten des Tages« das Leben schwer. Die Produktnachfrage lässt auch nach: Gab es 2008 noch 25,2 Millionen Katholiken in d...

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