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Aus: Ausgabe vom 10.02.2020, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Es ist einfach nicht seine Saison: Dortmunds Manuel Akanji

Ein verrückter Spieltag. Vor allem die Spitzenbegegnung Leverkusen gegen Dortmund. Der BVB war unter der Woche gegen überraschend starke Bremer im Pokal ausgeschieden, was seinen Ruf festigte, notleidenden Mannschaften gerne als Aufbaugegner zu dienen. Auch gegen Leverkusen misslang es Trainer Lucien Favre, die Abwehr zu stabilisieren. Der Neuzugang Emre Can erzielte zwar mit einem genialen Schuss aus über 30 Metern in den oberen rechten Winkel ein wunderschönes Tor, doch gegen die Leverkusener Offensive sahen die Schwarzgelben oft nicht besonders gut aus, weil sie wieder mal einfach zu hoch spielten und deshalb anfällig waren für präzise Steilpässe zwischen die Schnittstellen. So tauchten immer wieder Leverkusener allein vor Torhüter Roman Bürki auf, und wenn Kai Havertz einmal nicht nur den Pfosten getroffen hätte, hätte die Niederlage auch höher ausfallen können als 3:4. Vor allem der unglückliche Manuel Akanji erwies sich ein weiteres Mal als Unsicherheitsfaktor und ließ sich von Kevin Volland übertölpeln. Statt umzustellen und für größerer Absicherung zu sorgen, ließ Favre einfach weiter spielen.

Dennoch waren die Dortmunder über weite Stecken die überlegene Mannschaft, sie hatten gute Möglichkeiten, kombinierten traumhaft, schossen ein Tor, das wieder aberkannt wurde, weil Giovanni Reyna am Spielfeldrand ein belangloses Foul begangen hatte. Es war zum Haareraufen, aber auch Leverkusen wurde ein Tor wieder aberkannt. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen, aber Fußball ist nun mal nicht gerecht. Nach der 3:2-Führung begannen die Dortmunder sich zurückzuziehen und überließen den Leverkusenern völlig unnötig das Spiel. Die machten es großartig und schossen innerhalb von zwei Minuten zwei Tore. Der BVB war danach nicht mehr in der Lage, das Spiel zu drehen, weil Leverkusen die Dortmunder weiterhin in deren Hälfte unter Druck setzte. Dass Favre Thorgan Hazard und Mario Götze erst in der 87. Minute einwechselte, half natürlich auch nicht. Es ist bezeichnend, dass es den Dortmunder nicht mehr gelingt, ein Spiel noch in den letzten Minuten zu drehen.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Gegner in der Regel engagierter ist. Die Leverkusener liefen sieben Kilometer mehr, während fast alle anderen statistischen Werte ziemlich ausgeglichen waren. Nächstes Wochenende geht es gegen die Frankfurter, die gerade mit einem 5:0 gegen Augsburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass wieder mit ihnen zu rechnen ist, übernächsten Dienstag in der Champions League gegen Thomas Tuchels Paris St. Germain, gegen dessen Offensive die Dortmunder Abwehr in ihrer jetzigen Form keine Chance hat. Der BVB-Fan kann also erneut relativ früh gelassen dabei zusehen, wie sich andere Mannschaften in den Wettbewerben so machen. Immerhin hat man sich mit einem schönen Spiel verabschiedet.

Hertha sorgte derweil für den seit langem vermissten ersten Auswärtssieg der Mainzer, Freiburg gewann knapp in Hoffenheim, obwohl die TSG vor ein paar Tagen fast noch die Bayern aus dem Pokal gekegelt hätte. Auch Schalke mit seinem Rassistenklüngel kam über ein trostloses 1:1 gegen Paderborn nicht hinaus. Aber das ist alles kein Trost.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Carsten Glienke: Schnittstellenausschreibung Lieber Herr Bittermann, wenn auf die postmoderne Schnittstellenmetapher schon nicht verzichtet werden kann, dann wird doch bitteschön »in« dieselben gespielt. Und nicht Ihre »präzisen Steilpässe zw...

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