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Aus: Ausgabe vom 07.02.2020, Seite 15 / Feminismus
Beschneidung von Mädchen

Millionen Frauen schwer beeinträchtigt

WHO beziffert Folgekosten weiblicher Genitalverstümmelung
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Engagement gegen Genitalverstümmelungen in Kenia (Imbirikani, 21.4.2016)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vorgerechnet, welche Behandlungskosten international durch Genitalverstümmelung bei Mädchen entstehen. Jedes Jahr müssten dafür 1,4 Milliarden Dollar (knapp 1,3 Milliarden Euro) aufgebracht werden, berichtete die WHO am Donnerstag in Genf zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. In einigen Ländern mache das 30 Prozent des Gesundheitsbudgets aus.

Die Praxis ist in Ländern in Afrika, im Nahen Osten und etwa in Indonesien verbreitet. In Ländern wie Somalia, Guinea und Dschibuti werden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef mehr als 90 Prozent der Mädchen beschnitten. Dabei werden den meisten im Alter von vier oder fünf Jahren die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt. Insgesamt leben nach Schätzungen mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen mit verstümmelten Genitalien in etwa 30 Ländern. Seit 1997 hätten in Afrika und im Nahen Osten 26 Länder die Praxis verboten, sie sei aber weiterhin verbreitet.

»Genitalverstümmelung ist nicht nur eine katastrophale Verletzung der Menschenrechte, die die körperliche und geistige Gesundheit von Millionen Mädchen und Frauen schwer beeinträchtigt«, sagte der zuständige WHO-Direktor Ian Askew. »Es ist auch ein volkswirtschaftlicher Schaden.« Es müsse mehr investiert werden, um die Praxis zu stoppen. Betroffene Mädchen und Frauen erleben demnach lebensgefährliche Infektionen und Blutungen. Viele sterben bei dem oft unter unhygienischen Umständen durchgeführten Gewaltakt. Viele entwickelten zudem lebenslange chronische Probleme, hätten Schmerzen beim Urinieren sowie beim Geschlechtsverkehr und Komplikationen bei der Geburt.

Die Verstümmelung habe keinerlei gesundheitlichen Nutzen, betonte die WHO – anders sei es bei der Entfernung der Vorhaut von Männern. Unter anderem ist dadurch die Übertragungsrate von HIV bei heterosexuellen Männern nach WHO-Angaben deutlich reduziert.

Am 22. Februar kommt das Thema Genitalverstümmelung mit der Welturaufführung von »Wüstenblume« auf eine Musicalbühne in St. Gallen in der Schweiz. Darin geht es um das Leben der Somalierin Waris Dirie (Jahrgang 1965). Sie wuchs als Nomadin auf, flüchtete vor einer Zwangsheirat, arbeitete als Dienstmädchen in London, wurde dort als Model entdeckt und startete in den 1980er Jahren eine internationale Karriere. Sie ist selbst beschnitten worden und leidet nach eigenen Angaben bis heute an den Komplikationen. Dirie war von 1997 bis 2003 UN-Botschafterin gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien. (dpa/jW)

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