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Aus: Ausgabe vom 04.02.2020, Seite 8 / Ansichten

Teilabrisskandidat des Tages: Elisabeth-Lüders-Haus

Von Klaus Fischer
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Das Lüders-Haus an der Spree beherbergt unter anderem die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags (28.4.2018)

Was geschieht in einem Hochtechnologieland, wenn dort das Tempo der Richtlinienproduktion höher ist als das von Bauprojekten? Antwort: Dann droht der Abriss.

Nein, es geht beim aktuellen Fall nicht um den BER-Flughafen. Der soll ja bald eröffnet werden – ein Witz, der sich längst selbst erschöpft hat. Objekt der Volksbelustigung ist diesmal die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses (ELH) in Berlins Regierungsviertel. Ein interessantes Gebäude, schon deshalb, weil es eine Behörde als Bauherrin im Auftrag des Deutschen Bundestages errichtet. In dem Kasten aus Beton und Glas sollten demnächst Abgeordnete ihren Schreibtisch bekommen, um an ihm gute Politik zu konzipieren. Das kann nun dauern.

Der Tagesspiegel berichtete am Montag, dass das in den Bau hineingequetschte Blockheizkraftwerk als zentrales Element des Projektes wieder herausoperiert werden müsse. Bestätigt habe das das zuständige Bundesamt für Bauwesen. Und der Vorgang dürfte erhebliche Spuren an der potentiellen Investruine hinterlassen.

Kann schon mal passieren. Wissen wir ja. Diesmal war die Begründung für das Kommando zurück allerdings tatsächlich so skurril wie oben angedeutet: »Schuld sei die ›im Sommer 2019 durch den Gesetzgeber eingeführte Bundesemissionsschutzverordnung‹. Dadurch seien ›gegenüber der bei Planung und Bau zugrundegelegten EU-Richtlinie abweichende Abluftgrenzwerte‹ entstanden«, schreibt der Tagesspiegel.

Immerhin: An Bauzeit kann es das ELH fast mit dem legendären Willy-Brandt-Flughafen im märkischen Sand aufnehmen. Bereits vor zehn Jahren war der Startschuss für den Bau an der Erweiterung gefallen. Und ein bisschen teurer wird das Ganze auch. Derzeitige Schätzung: von 190 Millionen auf 247 Millionen Euro. Zumindest hierbei liegt der BER weit vorn.

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