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Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kampf dem Kleingeld

Brüssel nimmt sich Kleines vor

Bericht: EU-Kommission will Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen
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Kleingeld ist überflüssig, findet die EU-Kommission

Die EU-Kommission plant einem Zeitungsbericht zufolge die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Zum Arbeitsprogramm der Kommission, das am heutigen Mittwoch vorgestellt wird, gehöre der »Vorschlag für einheitliche Rundungsregeln« für Preise mit dem Ziel, die kleinsten Münzen abzuschaffen, berichtete die Süddeutsche Zeitung am Dienstag. Ein Grund ist demnach, dass die Mehrheit der EU-Bürger die kleinen Geldstücke angeblich nicht mehr haben will.

Laut dem Medienbericht verweist die Kommission bei ihrem Vorstoß auf einen eigenen Bericht von 2018, wonach immer mehr Euro-Staaten dazu übergegangen seien, Beträge beim Einkaufen auf volle fünf Cent runden zu lassen. Das spare die Herstellungskosten für die Kleinstmünzen, die Mühe beim Zählen sowie den Transport. Jährliche Umfragen der Kommission hätten zudem gezeigt, »dass es heute in keinem Land mehr eine Mehrheit für die Beibehaltung dieser beiden Stückelungen gibt«.

Unter anderem Italien, Irland und Finnland prägen selbst keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr. Die Geldstücke sind aber weiterhin in der ganzen Euro-Zone als gesetzliches Zahlungsmittel verwendbar. Von 2016 bis 2018 wurden allein 1,44 Milliarden deutsche Ein-Cent-Münzen und 1,35 Milliarden deutsche Zwei-Cent-Münzen hergestellt, wie aus Angaben des Bundesfinanzministeriums auf Anfragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht. Dafür seien insgesamt gut 7.000 Tonnen Stahl und gut 415 Tonnen Kupfer verwendet worden.

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) waren bis Dezember 2019 rund 36,7 Milliarden Ein-Cent-Münzen und etwa 28,2 Milliarden Zwei-Cent-Münzen in der Euro-Zone in Umlauf gebracht worden. Sie machen damit fast die Hälfte aller in Umlauf befindlichen Euro-Münzen im Wert von einem Cent bis zu zwei Euro aus.

Laut Auskunft des Bundesfinanzministeriums ist eine Ein-Cent-Münze in der Herstellung teurer als ihr Nennwert. Genauere Angaben machte die Behörde nicht und verwies auf das Geschäftsgeheimnis der Prägeanstalten. Wie die EU-Kommission bereits in einem Bericht aus dem Jahr 2013 feststellte, benutzen viele Verbraucher die kleinen Münzen nur ungern zum Bezahlen. Statt dessen würden die Münzen »gehortet«. (AFP/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Volker Wirth, Berlin: Warum keine Kritik an EU? Diese Seite hätte statt »Kapital und Arbeit« eher »EU: Versagen aus Feigheit vor dem ›Freund‹, aber Spielerchen« heißen sollen. Mit dem Schutz von High-Tech-Exporteuren ist die EU also nicht beschäfti...

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