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Aus: Ausgabe vom 17.01.2020, Seite 16 / Sport
Fußball

Wacker nach Feierabend

In Nordhausen wird um den Verbleib in der Regionalliga gerungen
Von Thomas Behlert
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Das waren noch Zeiten: Wacker-Kicker im August im DFB-Pokal

Vor dem Rückrundenauftakt am Sonnabend in einer Woche versucht man sich beim Regionalligisten Wacker Nordhausen ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Das ist besonders wichtig, da weder Spieler noch Trainer auf mittlere Sicht mit höheren Gehältern rechnen können. Pleitegeier kreisen über der Spielbetriebs-GmbH.

Immerhin ließ Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel neulich verlauten, dass die »Profis« demnächst mit einer Handvoll Euros rechnen dürfen: Auch sie seien Gläubiger und sollten wenigstens ein Ausfallgeld bekommen. Im übrigen arbeitet der berüchtigte Präsident Nico Kleofas immer noch, und zwar nun mit alten und neuen Mitstreitern an einem Neubeginn. Kleofas hält sich dabei bis auf weiteres im Hintergrund, denn er ist maßgeblich verantwortlich für das Scheitern irrwitziger Pläne.

Beim Auftakttraining in der vergangenen Woche ließen sich ganze 30 Fans blicken. Als sie sich nach der nächsten Mitgliederversammlung erkundigten und wissen wollten, ob die Neuwahl der Klubführung nun wie geplant im Januar über die Bühne gehen würde, vertröstete sie Vizepräsident Hans-Joachim Junker auf »irgendwann im Frühjahr«. Zum neuen Finanzplan, der weit unterhalb des bisherigen Millionenetats aufgestellt wurde, äußerte sich Junker bei dieser Gelegenheit nicht.

Mit allen Spielern, die bleiben wollten, da ihnen in der Winterpause keine besseren Angebote unterkamen, wurden neue Verträge abgeschlossen. Sie sind nun Feierabendprofis. Die ersten Trainingseinheiten des jungen Jahres wurden in die Abendstunden gelegt, da hinzugekommene Oberligaspieler im gewöhnlichen Berufsleben stehen. Rechtsaußen Nils Pichinot, Toptorschütze und -Vorlagengeber der Saison, will genauso bleiben wie die beiden Mittelstürmer Carsten Kammlott und Florian Beil. Auch der verletzte Linksverteidiger Christoph Göbel denkt nicht an einen Wechsel. Die ehemaligen Profis hängen an ihrem Wohnort und wollen, heißt es, dem Verein sportlich etwas zurückgeben. Es geht um die Verhinderung des Abstiegs.

Sollte die Mission in sportlicher Hinsicht gelingen, müsste der Verein bis zum Ende der Saison nur noch 100.000 bis 200.000 Euro aufbringen, und Nordhausen bliebe der Regionalfußball erhalten. Signale und Sponsoren aus der Region sind herzlich willkommen.

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