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Aus: Ausgabe vom 17.01.2020, Seite 16 / Sport
Rodel-EM

Mal ’ne andere Bahn

Rennrodler kämpfen in Lillehammer um Weltcuppunkte und EM-Medaillen
Von Oliver Rast
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Mit dem Saisonverlauf zufrieden: Felix Loch

»Lillehammer ist mal eine andere Bahn«, freut sich Felix Loch (BC Berchtesgaden), »die nicht so oft im Weltcup ist.« Loch ist der notorische Medaillensammler im Rennrodelsport des Bob- und Schlittenverbands in Deutschland (BSD). Mit dreimal Olympiagold im Einsitzer und mit dem Team, 13 WM-, fünf EM-Titeln und sechs Gesamtweltcupsiegen steht Loch auf einer Stufe mit Rodelikone und Trachtendesigner Georg Hackl (»Hackl Schorsch«).

Triumphe fährt der heute 30jährige Sonneberger Loch aber nicht mehr so einfach ein. Die richtig fetten Jahre scheinen vorbei zu sein. Rang sechs, zwölf, zwei und drei stehen bislang in dieser Wintersaison zu Buche. »Ich bin vom Saisonverlauf her aber zufrieden«, versichert Loch, es gehe stetig bergauf.

Station macht die rodelnde Weltelite im fünften Weltcuprennen an diesem Wochenende auf der olympischen Bob- und Rennschlittenbahn im norwegischen Lillehammer. Die Athletinnen und Athleten punkten diesmal nicht nur im Weltcup, sie schlittern im Eiskanal gleichfalls um Europameistertitel.

Nach den guten Ergebnissen zuletzt beim Heimweltcup im sächsischen Altenberg im Osterzgebirge zählen die vom BSD nominierten deutscher Starterinnen und Starter in allen Rennen mit zum Favoritenkreis um die EM-Medaillen. Als EM-Titelverteidiger gehen der Russe Semjon Pawlitschenko sowie Tobias Wendl (RC Berchtesgaden) und Tobias Arlt (WSV Königssee) im Doppel in die Startspur. Gold in der Teamstaffel gewann 2019 das italienische Quartett vor Deutschland und Lettland. Bei den Frauen wird der Medaillensatz komplett neu verteilt. Titelverteidigerin Natalie Geisenberger und ihre Teamkollegin Dajana Eitberger legten eine saisonale Babypause ein, Tatjana Hüfner hat ihre Karriere beendet.

Deutschlands Medaillenhoffnung Nummer eins, Julia Taubitz (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), hat sich mit dem insgesamt fünften Weltcupsieg ihrer Karriere in Altenberg wieder bis auf zwei Punkte an die führende Russin Tatjana Iwanowa im Gesamtweltcup herangekämpft. Bei der letztjährigen EM in Oberhof war sie Fünfte, Iwanowa landete auf dem sechsten Platz. Im Doppelsitzer starten Toni Eggert (BRC Ilsenburg) und Sascha Benecken (RT Suhl) als Führende des Gesamtweltcups.

Wie schätzen die ambitionierten Aktiven ihre Chancen ein? Taubitz kennt die Bahn in Lillehammer, sie stand dort schon mal auf dem Podest. »Deshalb gehe ich auch optimistisch ins Rennen.« Die Aussicht auf einen Europameistertitel fordere sie natürlich heraus – »keine Frage.«

»Richtig Bock« auf die EM hat Anna Berreiter (RC Berchtesgaden). Viele Trainingseinheiten habe sie auf der Kunsteisbahn im Gebirgstal Gudbrandsdalen in diesem Winter absolviert und festgestellt: »Die Bahn liegt mir ganz gut.« Rang zwei im dritten Rennen im kanadischen Whistler Mitte Dezember war heuer ihre beste Saisonleistung. Bis zum Abschlussrennen in Königssee Ende Februar stehen ihr und ihren Teamkollegen noch harte Wochen bevor, »ich versuche«, sagt Berreiter, »den Spaß nicht zu verlieren«.

Auch wenn Loch den Zenit seiner Sportlerlaufbahn überschritten haben dürfte, scheint der Rennrodelsport nicht den Reiz für ihn verloren zu haben. »Die Schwierigkeiten der Bahn in Lillehammer«, erklärt er, »liegen im unteren Bereich, in den Kurven zwölf und dreizehn.« Der Übergang müsse genau passen, um unten im Flachstück die Geschwindigkeit mitnehmen zu können. Bei Lenkfehlern und Bandenkontakten drohten vor allem im Labyrinth Zeitverluste, warnt Loch. Der Gewinn einer EM-Medaille, welche Bedeutung hätte er für ihn? »Das tut immer gut.«

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