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Aus: Ausgabe vom 15.01.2020, Seite 1 / Ausland
Iran

Erste Festnahmen

Iran: Präsident Rohani fordert nach Flugzeugabschuss Bestrafung von Verantwortlichen
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Blumen und Kerzen vor den Bildern von Todesopfern des abgeschossenen ukrainischen Passagierflugzeugs in Kiew (11.1.2020)

Nach dem Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs in der Nähe von Teheran am Mittwoch vergangener Woche hat die iranische Justiz erste Festnahmen vermeldet. Der iranische Präsident Hassan Rohani forderte am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede die Bestrafung aller Verantwortlichen.

Die Führung des Landes war unter zunehmenden internationalen Druck geraten, um eine vollständige und transparente Untersuchung des Absturzes zu gewährleisten. Auch im Inland sorgte der Umgang Teherans mit dem Flugzeugabschuss weiter für Proteste. Das ukrainische Flugzeug war am 8. Januar inmitten der militärischen Konfrontation mit den USA nach iranischen Angaben irrtümlich abgeschossen worden. Zunächst hatten die Behörden von einem technischen Defekt gesprochen. Keiner der 176 Menschen an Bord überlebte.

Justizsprecher Gholamhossein Esmaili versicherte vor Journalisten in Teheran, es habe bereits »umfassende« Ermittlungen zu dem Flugzeugabschuss sowie »einige« Festnahmen gegeben. Wie viele Menschen festgesetzt wurden, sagte er nicht. Präsident Rohani erklärte am Dienstag, für die Bevölkerung sei es wichtig, »dass jeder, der in irgendeiner Art falsch oder fahrlässig gehandelt hat«, zur Verantwortung gezogen werde. Er forderte die Einrichtung eines Sondergerichts »mit einem ranghohen Richter und Dutzenden Experten« und fügte hinzu: »Die ganze Welt wird zusehen«.

»Die Wurzel allen Übels« gehe aber auf die USA zurück, betonte Rohani erneut. Er bezog sich damit auf die Ermordung des iranischen Generals Kassem Soleimani, der bei einem US-Drohnenangriff im Irak Anfang Januar ums Leben gekommen war. Der Iran hatte mit Raketenattacken auf US-Stützpunkte im Irak geantwortet und kurz darauf nach eigenen Angaben versehentlich das ukrainische Flugzeug abgeschossen, offenbar weil US-Gegenangriffe befürchtet wurden.

In Teheran waren derweil in der Nacht zu Dienstag offenbar das dritte Mal in Folge Demonstranten auf die Straße gegangen. Sie kritisierten die iranische Führung für ihren Umgang mit dem Flugzeugabschuss. (AFP/dpa/jW)

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