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Aus: Ausgabe vom 09.01.2020, Seite 1 / Inland
Nach Silvester in Leipzig-Connewitz

Bewährungsstrafe fürs Beinstellen

Leipzig: Nach Schnellverfahren erstes Urteil zu Auseinandersetzungen in Silvesternacht
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Der Angeklagte Satpal H. A. bat am Mittwoch im Amtsgericht Leipzig um Entschuldigung und akzeptierte das Urteil

Der erste Prozess infolge von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei in Leipzig-Connewitz während der Neujahrsnacht ist am Mittwoch nach nur einer Stunde vorbei gewesen. Der 27jährige Satpal H. A. wurde im Amtsgericht Leipzig rechtskräftig wegen Angriffs auf und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem soll der Mann 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er akzeptierte den Schuldspruch, bereute sein Handeln und bat um Entschuldigung. Der 27jährige hatte einem rennenden Polizisten ein Bein gestellt, wie er selbst zugab. Der Beamte, Gruppenführer einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, fiel auf die Straße und zog sich leichte Blessuren zu.

Da die Sachlage klar und kein hohes Strafmaß zu erwarten war, gab es ein beschleunigtes Verfahren, wie Verteidiger Andreas Meschkat dem MDR sagte. »Da mein Mandant nicht über einen festen Wohnsitz verfügte, ist ein Haftbefehl ergangen. Man kann aber einen Mann nicht monatelang in Haft lassen, wenn nicht zu erwarten ist, dass eine lange Freiheitsstrafe verhängt wird.« Mit dem schwerwiegendsten Tatvorwurf aus der Silvesternacht – einem angeblichen Mordversuch an einem 38 Jahre alten Beamten – hatte der Verurteilte laut Staatsanwaltschaft nichts zu tun.

Zu Silvester hatten sich laut Polizei mehr als 1.000 Menschen am Connewitzer Kreuz versammelt. Nach Mitternacht kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Feiernden und Beamten. Die Polizei verdächtigt nach wie vor »Linksextremisten«. Die Staatsanwaltschaft ermittele weiter gegen Unbekannt, sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch. Und man führe noch elf weitere Strafverfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte, sagte Schulz. Drei von ihnen im Alter von 29, 30 und 32 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Zudem gibt es ein allgemeines Verfahren gegen Unbekannt wegen Landfriedensbruchs. In einem Fall gehe die Ermittlungsbehörde weiterhin von versuchtem Mord an einem Beamten aus, der angeblich schwer verletzt worden sei. (dpa/jW)

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