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Aus: Ausgabe vom 18.12.2019, Seite 8 / Ansichten

Volksaufklärungsanstalt des Tages: MDR

Von Arnold Schölzel
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Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist, wie schon der merkwürdige Name sagt, ein Staatssender programmatischer Art. Gegründet wurde er 1991 von der CSU, die damals Ostdeutschland noch jenseits von Oder und Neiße wähnte. Seitdem strahlt die ARD-Anstalt in Dauerschleife jegliche Varianten des »Musikantenstadl«, also schwarz-brauner Heimatseligkeit, aus. Vom Dauererfolg der Nazis in Sachsen kann sich der MDR eine Scheibe abschneiden. Gleiches gilt für den Aufstieg des Kleinkriminellen Lutz Bachmann, der in Dresden die Islamisierung des Abendlandes erfand, für Björn Höcke in Thüringen oder für die große Sympathie in der CDU Sachsen-Anhalts für AfD und Hakenkreuzträger.

Der MDR hat nationales Sendungsbewusstsein. Die Propaganda ergänzt er folgerichtig nun mit Volksbildung, wenn nicht Volksaufklärung. Am Montag berichtete er in einer Pressemitteilung: »Gemeinsam mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) startet der Sender zum Schuljahr 2020/21 ein multimediales Onlinelehrbuch rund um das Zustandekommen der deutschen Einheit. Herzstück des digitalen Kompendiums sind Videos der frühen 1990er Jahre aus dem MDR-Archiv.« Sechs Themenkomplexe sind unter dem Stichwort »Eure Geschichte« im Internet abrufbar. So soll es u. a. um »Opposition und Widerstand«, »Kultur und Sport« (Ankündigungstext: Beides »war in Parteivorgaben und den Wettstreit der Systeme eingebunden«) oder »Alltag und Nischenkultur« gehen. Von neuen Eigentumsverhältnissen in Fabriken und der Landwirtschaft, von innerbetrieblicher Demokratie, überhaupt dem echten Wirtschaftswunder, das die DDR trotz der wesentlich schlechteren Ausgangsbedingungen im Vergleich zu Westdeutschland hinlegte, ist nichts zu finden. Der in Hessen beamtete Geschichtslehrer Höcke hätte die Einfalt zur DDR-Geschichte nicht besser in ein »Lehrbuch« quetschen können.

Debatte

  • Beitrag von Detlev S. aus G. (18. Dezember 2019 um 09:08 Uhr)
    Diese gigantische Maschinerie zur »Volksaufklärung«, angeführt vom MDR, nachgeeifert von RBB, ARD und ZDF erfüllt im kriminaltechnischen Sinne den Tatbestand der »Übertötung«, also des permanenten »Einstechens« auf ein Opfer, das längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist.

    Mir fallen dafür nur zwei Motive ein: unbändiger Hass und gnadenlose Angst.

    Ersteres dürfte nach 30 Jahren etwas gemildert sein.

    Es ist erstaunlich, welch riesengroße Angst in gewissen »sozialen« Kreisen in diesem Lande herrscht, dass irgendeine Generation die wahren Ursachen von Krieg, Umweltzerstörung, Armut ... erkennt und obendrein noch Vorschläge artikuliert, diese Missstände zu beseitigen. Das gilt es zu verhindern!

    Aber man ist auf einem guten Weg dahin! In persönlichen Diskussionen stelle ich immer wieder fest, dass eine dialektische Gesprächsführung (aus zwei unterschiedlichen Meinungen wird eine neue, bestehend aus Anteilen beider Ursprungsmeinungen) über dieses Thema nahezu unmöglich geworden ist.

    Man erkennt zwar, abgesehen von Menschen mit xenophoben Eigenschaften, die wirklichen Ursachen, aber dann folgt schon bald die Bemerkung nach »aussichtslosen« Perspektiven. Hinweise darauf, dass dies alles schon einmal versucht wurde abzuändern, werden mit dem DDR-Argument abgewehrt.

    Bezüglich Propaganda hat man uns vor 30 Jahren gnadenlos geschlagen.

    D. Schulz, Gaggenau

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