Gegründet 1947 Donnerstag, 12. Dezember 2019, Nr. 289
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 05.12.2019, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Management unter Druck

Thyssen-Krupp: Beschäftigte der Aufzugssparte protestieren gegen Umbau
Von Bernd Müller
Thyssenkrupp_58314227.jpg
Thyssen-Krupp-Beschäftigte wehren sich gegen den Konzernumbau

Der Arbeitskampf bei Thyssen-Krupp geht weiter. Nachdem bereits am Dienstag rund 6.000 Stahlkocher in Duisburg auf die Straße gegangen waren, demonstrierten am Mittwoch 2.500 Beschäftigte der Aufzugssparte »Thyssen-Krupp Elevator«. Sie kamen vor der Konzernzentrale in Essen zu einer Kundgebung zusammen und verlangten Auskunft über die Umbaupläne des Managements.

Der Konzern will das profitable Aufzugsgeschäft ganz oder teilweise verkaufen oder an die Börse bringen. Mit den so verfügbaren Geldern soll die weitere Restrukturierung des Konzerns finanziert werden. Die Gewerkschaft IG Metall wirft dem Management vor, die Arbeitsplätze zum Spekulationsobjekt zu machen. Die Verhandlungen über einen Zukunftstarifvertrag stockten. Das Management weigere sich beharrlich, die erforderlichen Sicherheiten für Arbeitsplätze und Standorte zu geben.

Konzernchefin Martina Merz hatte am 22. November angekündigt, binnen vier Monaten Klarheit über die Zukunft der Sparte mit ihren rund 50.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund acht Milliarden Euro zu schaffen. »Im Fall eines Börsengangs würden wir diesen bis zu diesem Zeitpunkt angemeldet haben«, sagte sie gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Entscheide man sich dagegen für den Verkauf, wolle man bis dahin einen Namen nennen können. Im Rennen ist unter anderem der finnische Konzern Kone, ein direkter Konkurrent von »Thyssen-Krupp Elevator«. Laut Reuters will Kone mit einer Vorabzahlung von bis zu drei Milliarden Euro an den Ruhrkonzern punkten und sich einen Vorteil gegenüber den ebenfalls am Kauf interessierten Finanzinvestoren sichern.

Steigende Verluste und hohe Schulden belasten Thyssen-Krupp. Die Aufzugssparte ist der wichtigste Gewinnbringer des Konzerns und laut Expertenschätzungen zwischen zwölf und 17 Milliarden Euro wert. Noch ist offen, wie viele Anteile abgestoßen werden sollen. Sollte Kone den Zuschlag bekommen, dürfte das die Kartellbehörden auf den Plan rufen. Denn beide Unternehmen weisen ein starkes Europageschäft auf. Der finnische Konzern ist nach Otis und Schindler die weltweite Nummer drei der Aufzugsbranche, gefolgt von »Thyssen-Krupp Elevator«.

Mehr aus: Kapital & Arbeit