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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 6 / Ausland
Österreich/Neuseeland

Proteste gegen Mineralölkonzern

Österreich/Neuseeland: Aktivisten machen Druck auf OMV
Von Johannes Greß, Wien
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Klimaproteste gegen den Mineralölkonzern OMV in Wien am 14. Mai 2019

Österreich und Neuseeland liegen geographisch weit voneinander entfernt. In diesen Tagen eint die beiden Länder dennoch ein Protest. Der Öl- und Gaskonzern OMV mit Hauptsitz in Wien plant derzeit erneut Bohrungen vor der neuseeländischen Küste – und wird nun von Aktivistinnen und Aktivisten in beiden Ländern unter Druck gesetzt.

Rund 100 Menschen blockieren seit Montag vormittag neuseeländischer Zeit das OMV-Büro in New Plymouth. Unter ihnen befinden sich Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sowie »Extinction Rebellion« und »School Strike 4 Climate«. Sie fordern die OMV auf, ihre Bohrungen im Great South Basin südöstlich der neuseeländischen Südinsel zu stoppen. Bis zum heutigen Mittwoch sollte der Eingang zur Zentrale blockiert bleiben, wie lokale Medien berichteten.

Bereits vergangene Woche hinderten Greenpeace-Aktivisten ein OMV-Versorgungsschiff 57 Stunden lang daran, aus dem Hafen zu fahren. Eine Teilnehmerin der Aktion, die Wiener Studentin Magdalena Bischof, wurde dabei von den neuseeländischen Behörden festgenommen, ist aber mittlerweile wieder auf freiem Fuß – und protestiert vorm OMV-Büro in New Plymouth.

Und auch in Wien geriet der Mineralölkonzern vergangene Woche unter Druck. Die OMV ist mit einem Jahresumsatz von knapp 21 Milliarden Euro (2018) eines der größten österreichischen Unternehmen und befindet sich zu knapp einem Drittel in staatlicher Hand. Auch wenn die »Fridays For Future«-Aktivisten ihre Forderungen für gewöhnlich an Politiker richten, wurde beim »Earth-Strike« vergangene Woche die OMV zum Ziel des Protests. Rund 20.000 Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich laut Veranstalter vor dem OMV-Hauptquartier in Wien-Krieau und forderten den raschen Ausstieg aus der Kohle- und Gasindustrie.

Wie die protestierenden Schülerinnen und Schüler sieht auch Greenpeace Österreich die künftige Regierung in der Pflicht. Als Eigentümerin der OMV könne »sie über die Aufsichtsräte der OMV mitentscheiden. Die nächste Regierung muss einen kompletten Umbau der OMV einleiten: Raus aus fossilen und hin zu erneuerbaren Energien – für eine nachhaltige Zukunft der OMV«, kritisiert Lukas Meus von Greenpeace Österreich.

Bereits seit den 1960ern wird im Great South Basin nach Öl und Gas gebohrt. 1980 wurden die Erkundungen wegen fehlender Ergebnisse wieder eingestellt. Erst 2006, nachdem bessere Methoden entwickelt wurden, nahmen Unternehmen erneut die Suche auf, weiterhin mit bescheidenem Erfolg. Seit die neuseeländische Regierung im April 2018 ankündigte, keine weiteren Bohrlizenzen mehr zu vergeben, haben sich sämtliche internationale Mineralölkonzerne von dort zurückgezogen – bis auf die OMV, die nach eigenen Angaben in den vergangenen 20 Jahren bereits drei Milliarden Neuseeland-Dollar, umgerechnet etwa 1,75 Milliarden Euro, investiert hatte.

Zwar vergibt die Regierung in Neuseeland keine Lizenzen mehr, die bestehenden allerdings behalten ihre Gültigkeit. Und eine solche besitzt die OMV. Seit 2007 ist der Konzern bereits im Great South Basin vor Ort und führte in den vergangenen Jahren umfassende seismische Untersuchungen und ökologische Studien durch. Anfang 2020 will der Konzern daher erneut bohren. Laut Konzern sei das Verfahren ökologisch einwandfrei, die Gefahren minimal. Der Klimaschutz genieße dabei einen besonders hohen Stellenwert. Aktivistinnen und Aktivisten in Österreich und Neuseeland bezweifeln das.

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