Gegründet 1947 Sa. / So., 14. / 15. Dezember 2019, Nr. 291
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 5 / Inland
Bankwesen

Unicredit streicht 8.000 Stellen

Geldhaus will Kosten drücken und Rendite an Anleger ausschütten. HVB von Abbau betroffen
HVB_Mutter_Unicredit_63567678.jpg
Unicredit hatte die Hypovereinsbank 2005 übernommen. Bis zu 2.500 Beschäftigte der Tochtergesellschaft müssen jetzt gehen

Die italienische Hypovereinsbank-Mutter Unicredit setzt auf Sparkurs und plant einen weiteren Konzernumbau. Davon wird auch die HVB in Deutschland betroffen sein. Bis zum Jahr 2023 wird das Kreditinstitut 8.000 Stellen streichen und die Kosten um eine Milliarde Euro drücken, wie Bankchef Jean Pierre Mustier am Dienstag ankündigte. Es ist bereits seine zweite Sparrunde – seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren hat der Franzose mehr als 20.000 Jobs bei dem Institut gestrichen.

Gleichzeitig will der Vorstandsvorsitzende Investoren durch Ausschüttungen von Dividenden und Aktienrückkäufe, die ersten seit 14 Jahren, belohnen. Die Streichung der 8.000 Stellen soll Unicredit das dafür benötigte Kapital einbringen und das langsame Wirtschaftswachstum und die schwachen Einnahmen ausgleichen. »Team 23« heißt die Strategie, mit der Mustier die italienische Großbank bis 2023 umbauen und Anlegern signalisieren möchte, dass man sich selbst in Zeiten von niedrigen Renditen Mühe gibt, den Umsatz zu steigern – natürlich auf Kosten der Beschäftigten.

Unicredit schlüsselte die geplanten Stellenkürzungen nicht regional auf. Wie aus Finanzkreisen zu erfahren war, sollen 5.500 Stellen in Italien wegfallen. Damit würden die anderen 2.500 Arbeitsplätze in Deutschland und Österreich abgebaut. Die Bank wollte sich auf Anfrage nicht zur regionalen Verteilung des Stellenabbaus äußern. Wie so oft in diesen Fällen hieß es aber von ihrer Seite, dass der Abbau sozialverträglich und in Absprache mit den Arbeitnehmervertretungen erfolgen solle.

Der verschärfte Sparkurs wird zunächst einmal Geld kosten – nach Angaben der Bank 1,4 Milliarden Euro in diesem und dem kommenden Jahr. Davon seien 1,1 Milliarden für Italien und 300 Millionen für Deutschland und Österreich vorgesehen. Konzernweit kam die Unicredit zuletzt auf 85.000 Stellen und rund 4.500 Zweigstellen. Rund 500 dieser Filialen sollen nach den Informationen aus Finanzkreisen geschlossen werden, davon 450 in Italien. In Deutschland hatte die HVB zum Stichtag 30. Juni laut Halbjahresbericht 12.205 Vollzeitstellen, Ende Dezember 2015 waren es noch 16.310 Stellen gewesen. Die Unicredit hatte die deutsche HVB 2005 übernommen – es war die bis dato größte Bankenfusion innerhalb Europas.

Hintergrund des jetzt verstärkten Sparkurses ist, dass die Unicredit in den kommenden Jahren nur mit geringem Wachstum rechnet und die Kosten daher weiter drücken will. Das Kreditinstitut kämpft laut Experten wie alle Banken in der Euro-Zone mit dem Dauertief bei den Zinsen, das vor allem auf die Marge im Geschäft mit dem Anlegen und Verleihen von Geld drückt. Dabei steht es gar nicht mal so schlecht um d peilt die Unicredit aus dem fortgeführten Geschäft – also ohne den Einfluss von Sonderfaktoren wie zum Beispiel Spartenverkäufen oder den Kosten für Stellenabbau – einen Gewinn von fünf Milliarden Euro an. 2018 hatte dieser Wert bei drei Milliarden Euro gelegen. Für 2019 wird bereits ein Anstieg auf 4,7 Milliarden Euro erwartet.

Im Vorfeld der neuen Strategie hat Unicredit in diesem Jahr eine Reihe von Schritten unternommen, um aus Unternehmen auszusteigen, die für die Geschäftstätigkeit nicht von entscheidender Bedeutung sind. Die Bank erklärte sich bereit, eine direkte Beteiligung von neun Prozent an der türkischen Yapi ve Kredi Bankasi AS an die Koc Holding AS zu veräußern, um ihr Joint Venture mit dem türkischen Kreditgeber aufzulösen, was zu Verlusten in Höhe von einer Milliarde Euro geführt hat. Das Unternehmen verkaufte Anfang des Jahres außerdem seine Anteile an der italienischen Finecobank. (Reuters/dpa/jW)

Ähnliche:

  • Schild einer Bank in Rom (Oktober 2018)
    08.02.2019

    Italien: »Too big to fail«

    Roms Staatsschulden liegen vor allem bei französischen und deutschen Banken
  • Studiert die Zahlen: Italiens Finanzminister Giovanni Tria
    29.10.2018

    Knapp über Ramschniveau

    Ratingagentur bewertet italienische Staatsanleihen »negativ«. Minister: Zinsniveau »schädlich«
  • Überall faule Kredite. Mario Draghi weiß nicht, wo ihm der Kopf ...
    19.09.2018

    Visionen von Fusionen

    Banker träumen von großen Geldhäusern in Europa. Aber wer steht für faule Kredite gerade?

Regio:

Mehr aus: Inland