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Aus: Ausgabe vom 02.12.2019, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Von René Hamann
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Kontaktsport auf Kölsch: Beim Effzeh wird Fußball wieder gearbeitet. Kölns Simon Terodde (l.) im Duell mit Augsburgs Tin Jedvaj

Das wäre doch sehr lustig gewesen. Trainertausch, wie von RTL ausgedacht: Achim Beierlorzer, gerade in Köln entlassen, übernimmt in Mainz; Sandro Schwarz, in Mainz geschasst, heuert dafür in Köln an. Aber ganz so kam es nicht, und man fragt sich tatsächlich, wieso? Wer hat in Köln gegen Schwarz entschieden? Dem FC ist doch auch sonst nichts zu peinlich.

Beierlorzer jedenfalls ist fein raus. Er hat in Mainz eine kompakte, schnelle, umschaltfußballfähige (das ist ja heutzutage das wichtigste) Truppe übernommen, die lediglich mental angeschlagen, also verunsichert war. Ein bisschen Neucoaching hier, ein bisschen Fine­tuning da, und der Laden läuft wieder – wie das überraschende 5:1 in Unterzahl (!) auswärts gegen Hoffenheim am vorherigen Spieltag eindrucksvoll zeigte. Spiel zwei unter dem neuen Trainer läuft aber erst heute: Derby gegen Eintracht Frankfurt, das hoffentlich letzte Montagspiel aller Zeiten, die Fans beider Seiten halten die Tennisbälle schon parat.

Der 1. FC Köln hat sich indes gegen den raffinierten Fußball und für die Brechstange entschieden. Kick and Rush. Markus Gisdol hat zwar schon zweimal Teams vor dem Abstieg gerettet, besonders ansehnlich, trendsetzend oder wenigstens konsolidierend war das aber jeweils nicht, was er in Hoffenheim und danach in Hamburg hat spielen lassen. Immerhin, das Kämpferische ist wieder da beim Effzeh, und gegen ebenfalls limitierte Gegner wie Augsburg reicht das dann zu einem Punktgewinn, wenn auch nur in letzter Minute (1:1). Das wird wieder einmal eine harte Saison für Fans der rheinischen Diva.

In der Hauptstadt hat man auch einen neuen Trainer, der gleich für mehrere Befreiungsschläge gut ist: Jürgen Klinsmann, Sommermärchenonkel von 2006. »Unseren Capitano kennen sie noch nicht«, wir erinnern uns mit Schaudern. Aber ja: Statt weiterhin den VfL Bochum des Ostens zu machen, hat sich die Hertha jetzt für den Glam-Faktor entschieden, und das kann dem Team, dem Klub, der gesamten Hauptstadt tatsächlich nur guttun, knappe Auftaktniederlage gegen wankelmütige Dortmunder hin oder her.

Anderswo sitzen die Trainer noch ruhig auf ihren Stühlen. Langzeitinterimstrainer Hansi Flick (Bayern München) durfte erstmals Gegentore bestaunen und am Ende sogar eine 1:2-Niederlage beklagen – ausgerechnet gegen Bayer Leverkusen, das sich in München doch sonst immer so brav hatte verprügeln lassen. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Auch dank des schnellen Umschaltspiels. Und weil einer der Bender-Zwillinge eine weitere Rettungsgroßtat wie weiland im Pokalhalbfinale im BVB-Trikot vollbrachte. Und wegen des Aluminiums. Und weil der Bayern-Dusel sich nicht immer einstellen will. Da half am Ende selbst der Schiedsrichter nicht. Obwohl er es durchaus probierte – mit Rot gegen Bayer-Verteidiger Jonathan Tah kurz vor Ende, der gar nicht letzter Mann war.

Die Saison bleibt also spannend. Die Brauseboys aus Leipzig schicken sich zwar an, ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen zu wollen. Aber wenn selbst der Tabellenletzte SC Paderborn sie nach 0:3-Pausenrückstand noch in Verlegenheit bringen kann, ist da noch gar nichts entschieden. Und Schalke (2:1 gegen Eisern Union) und Gladbach (nach Redaktionsschluss gegen Freiburg) sind bekanntlich auch noch im Rennen.

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