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Aus: Ausgabe vom 11.11.2019, Seite 4 / Inland
»Und der Zukunft zugewandt«

DKP feiert DDR-Gründung

Oberst a. D. der Grenztruppen erinnert sich. Botschafter Kubas als Gastredner
Von Arnold Schölzel
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Gründungsakt: Auf der 9. Tagung des Deutschen Volksrates wurde das »Manifest der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands« verkündet (7.10.1949)

Allen, die am 9. November vor der in Berlin tobenden »Mauerfall«-Volksverdummung die Flucht ins Umland ergriffen, habe die DKP Brandenburg politisches Asyl gewährt. Mit diesen Worten eröffnete Michael Grüß, Landesvorsitzender der Partei, eine Veranstaltung der DKP, die unter der Überschrift »Und der Zukunft zugewandt« dem 70. Jahrestag der DDR-Gründung gewidmet war. Der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele wandte sich in einem Grußwort an die etwa 150 Gäste und mahnte, es sei »unser Auftrag«, an die »andere Seite« der 9. November von 1918, 1938 und 1989 zu erinnern – an revolutionären und antifaschistischen Kampf. Und nicht zuletzt aufzuklären über die DDR angesichts »ekliger Propaganda«. Die beweise allerdings auch, dass die Herrschenden es nicht geschafft hätten, die DDR zu delegitimieren. Sie war und ist, so Köbele, »ein Stachel im Fleisch der Herrschenden«.

Im Gespräch mit Nora Walter (DKP Berlin), die durch das Programm führte, schilderte anschließend Günter Leo, Oberst a. D. der DDR-Grenztruppen, seinen Werdegang vom Arbeiterkind und gelernten Dreher zum Offizier, der am 9. November 1989 am Brandenburger Tor in Berlin einer der Verantwortlichen vor Ort war. Er sei froh, »dass wir selbst entscheiden konnten und die Anwendung der Schusswaffe grundsätzlich ausschlossen«. Leo wurde fast zehn Jahre später zu mehr als drei Jahren Gefängnis verurteilt und hatte bis vor kurzem Zehntausende Euro Prozesskosten abzuzahlen. Er betonte: »Ich bin ein Kind der DDR und stolz darauf.« Aber der BRD-Justiz sei es gelungen, einige Genossen psychisch und physisch fertigzumachen.

Der Gewerkschafter Achim Bigus erläuterte in einem Referat, warum die Lohnabhängigen der BRD mit weniger Kampf als anderswo zu Spitzenlöhnen in Westeuropa kamen: Die DDR habe als unsichtbarer Partner bei Tarifverhandlungen mit am Tisch gesessen. Das sei nach 1990 klargeworden, als Ostdeutschland zum sozialen Experimentierfeld auch für den Westen gemacht worden sei.

Der außenpolitische Experte Anton Latzo beleuchtete das Verhältnis von Sowjetunion und DDR. Vorgetragen wurde ein Grußschreiben des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz, der die Einladung nach Strausberg nicht wahrnehmen konnte. Begeisterten Beifall erntete der Botschafter Kubas in der BRD, Ramón Ripoll Díaz, mit einer frei vorgetragenen Rede über das Verhältnis zwischen der DDR und Kuba sowie über die verschärfte US-Blockade gegen die Insel. Stürmischer Applaus galt der Sängerin Gina Pietsch und dem Pianisten Bardo Hennig, die Ausschnitte aus ihrem Programm »Sagen wird man über unsre Tage« vortrugen, genauso wie dem Liedermacher Hartmut König für dessen Solokonzert zum Abschluss.

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