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Aus: Ausgabe vom 08.11.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Lufthansa kriegt kalte Füße

Airline gibt nach erstem Streiktag nach und erklärt sich bereit zur Schlichtung
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Flugbegleiter der Gewerkschaft UFO bei einer Kundgebung vor dem Terminal am Münchner Flughafen (7.11.2019)

Der zweitägige Streik der Lufthansa-Flugbegleiter mit mehr als 1.000 Flugstreichungen bringt Bewegung in die verhärtete Front zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft Ufo. Am Donnerstag seien am größten deutschen Flughafen in Frankfurt etwa 400 und in München rund 250 Flüge ausgefallen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Airline strich am Donnerstag und Freitag insgesamt 1.300 von insgesamt rund 2.200 Flügen der Hauptfluggesellschaft Lufthansa. Davon sind etwa 180.000 Fluggäste betroffen.

Die Fluggesellschaft hatte dem Ufo-Vorstand seit Monaten die Vertretungsberechtigung abgesprochen und jegliche Verhandlungen mit ihm abgelehnt. Gleich am ersten Streiktag erklärte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag zu einer tags zuvor von Ufo angeregten Schlichtung bereit. Er deutete zudem an, dass die Airline das rechtliche Vorgehen gegen die Tariffähigkeit der Gewerkschaft aufgeben könnte. »Wir sind zuversichtlich, auf dem Weg zu einer Schlichtung auch einen Weg zu finden, die bestehenden rechtlichen Fragen zu überwinden«, sagte Spohr.

Lufthansa und Ufo wollen nun in vertraulichen Gesprächen über das Wochenende ausloten, ob sie Tarifverhandlungen beginnen oder einen Schlichter anrufen. Die Gewerkschaft äußerte sich skeptisch. »Wir werden diesen Versuch machen. Wir wissen noch nicht, ob er erfolgreich ist«, sagte deren Sprecher Nicoley Baublies am Münchener Flughafen. Lufthansa und Ufo liegen schon seit rund einem Jahr im Streit.

Seit Mittwoch spricht Lufthansa zudem mit der in Gründung befindlichen »Cabin Union« der Ufo-Abspaltung IGL und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Angesichts der heute rund 100 Streikenden in Frankfurt und rund 50 Streikenden in München dränge sich der Verdacht auf, dass weit über 100.000 Passagiere unnötig abgestraft worden sein, teilte die Gewerkschaft in einem Schreiben am Donnerstag mit. Die Auseinandersetzungen drehe sich laut Verdi derzeit nicht um das Wohl der Kabinenbeschäftigten, sondern um das politisch »selbstgeschaffene Bollwerk« zwischen Ufo und Lufthansa. (Reuters/dpa/jW)

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