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Aus: Ausgabe vom 06.11.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Ressourcen

Öl wird noch lange verfeuert

OPEC: Energiebedarf wird bis 2040 um 25 Prozent steigen. Größte Nachfrage aus China und Indien
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Laut OPEC ist mit der Ölförderung noch lange nicht Schluss

Öl ist nach Einschätzung der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) auch im Jahr 2040 noch der weltweit wichtigste Energieträger. Wie das Ölkartell in ihrem am Dienstag veröffentlichten Ausblick berichtete, wird gleichzeitig der weltweite Energiebedarf um rund 25 Prozent steigen. Der Anteil von Öl am gesamten Energiemix werde 2040 rund 28 Prozent ausmachen. Der zweitgrößte Anteil wird dann laut dem Bericht nicht mehr auf Kohle, sondern auf Gas (25 Prozent) entfallen.

Der Bedarf an Öl klettert laut der Studie von 2018 bis 2040 um rund zwölf auf 110,6 Millionen Barrel (159 Liter) am Tag (mb/t). Der Bedarf werde sich regional aber sehr unterschiedlich entwickeln. Zwischen 2019 und 2024 werden zusätzliche Destillationskapazitäten von rund acht mb/t erwartet, wobei davon mehr als 70 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen Osten liegen. Dabei handele es sich um fast 50 Prozent der gesamten Kapazitätserweiterungen, die bis 2040 erforderlich seien.

Für den Anstieg werden demnach vor allem Indien, China und auch die Gemeinschaft der 14 OPEC-Länder sorgen. In vielen europäischen Ländern dürfte der Energie- und damit auch der Ölbedarf laut dem Bericht derweil sinken. Für die 36 OECD-Länder etwa erwartet die OPEC, dass die Nachfrage nach Öl um fast zehn Prozent zurückgehen wird. Für Indien wird hingegen ein Nachfrageplus von 5,4 Prozent vorausgesagt.

Die zugrundeliegenden Annahmen für die OPEC-Prognose ist allerdings gewagt: Das Ölkartell geht unter anderem davon aus, dass die weltweite Wirtschaftsleistung vor allem durch starkes Wachstum in Entwicklungsländern 2040 doppelt so hoch sein wird wie 2018. Außerdem werde die Weltbevölkerung um 1,6 Milliarden Menschen auf dann rund 9,2 Milliarden Menschen im Jahr 2040 wachsen.

»Alle Formen von Energie werden benötigt, um dem steigenden Bedarf in einer nachhaltigen Weise begegnen zu können«, sagte Mohammed Barkindo, Generalsekretär der OPEC, bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag in Wien. Dass die erneuerbaren Energiequellen die Bedeutung von Öl und Gas dabei in den nächsten Jahrzehnten übertreffen würden, sei in keiner verlässlichen Projektion erkennbar. Die erneuerbaren seien aber die am stärksten wachsenden Energiequellen. Bislang hat fast eine Milliarde Menschen laut dem Bericht derzeit keinen Zugang zu Elektrizität.

In der OPEC sind 14 Staaten zusammengeschlossen: Algerien, Angola, Ecuador, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, die Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela. Ecuador hat angekündigt, Ende Januar 2020 auszutreten. Die Mitgliedsländer produzieren gemeinsam rund ein Drittel des weltweiten Ölbedarfs. Zusammen mit zehn kooperierenden Staaten versucht die Organisation, den Ölpreis durch Produktionskürzungen zu erhöhen. Dieser steht wegen Fracking, hohen Ölexporten der USA und internationalen Konflikten unter Druck. (dpa/jW)

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