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14.10.2019, 10:33:26 / Ausland
Türkische Militärinvasion in Syrien

Damaskus schickt Truppen an Grenze

Einigung zwischen syrischer Regierung und Kurden. Luxemburgischer Außenminister fürchtet NATO-Bündnisfall
Türkische Angriffe auf nordsyrisch-kurdisches Territorium am 13.
Türkische Angriffe auf nordsyrisch-kurdisches Territorium am 13. Oktober

Die syrische Regierung stationiert Truppen in der Grenzstadt Tel Tamer, die sich der »türkischen Aggression« entgegenstellen sollen. Die Soldaten seien bereits in Tel Tamer im Nordosten des Landes eingerückt, berichteten Staatsmedien am Montag.

Vorausgegangen war eine Verständigung zwischen der Regierung in Damaskus und dem von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDK). Ein führender Vertreter der syrischen Kurden sagte, die »vorläufige militärische Vereinbarung« sei begrenzt auf die Stationierung von Regierungstruppen entlang der Grenze zur Türkei. Syrische Soldaten würden in die Grenzstädte von Manbidsch bis Derik einziehen, sagte Badran Dschia Kurd der Nachrichtenagentur Reuters. Politische Fragen würden beide Seiten später diskutieren.

Unterdessen hat der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn vor der Möglichkeit gewarnt, dass der türkische Einmarsch in Nordsyrien die NATO-Staaten in den Krieg hineinzieht. »Für mich ist das ziemlich außerirdisch, was dort geschieht«, sagte Asselborn am Montag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, »Radiowelt am Morgen«). Er verwies dabei auf die Vereinbarungen der syrischen Kurden mit der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad.

Der Außenminister Luxemburgs nannte den türkischen Feldzug »ein Verbrechen«. Die Türkei ist als NATO-Mitglied mit der BRD, den USA und anderen Staaten über einen Beistandspakt verbunden. »Stellen Sie sich vor, Syrien oder Alliierte von Syrien schlagen zurück und greifen die Türkei an«, sagte Asselborn. »Ich habe NATO-Mitglied gesagt, dann sage ich auch Artikel 5. Das heißt, der Beistandspakt besteht. Auf Deutsch heißt das, dass alle NATO-Länder, wenn die Türkei angegriffen würde, dann einspringen müssten, um der Türkei zu helfen. Darum sage ich außerirdisch.«

Von Ankara unterstützte dschihadistische Milizen haben angekündigt, mit türkischen Truppen einen Angriff auf die kurdisch kontrollierte Stadt Manbidsch gestartet zu haben. Der türkische Fernsehsender NTV berichtete, dass türkische Spezialkräfte und Kommandos am Montag nachmittag Kurs auf die Stadt genommen haben. Panzer der von der Türkei geführten »Freien Syrischen Armee« schießen derzeit aus zwei Fronten auf Manbidsch. Der Sender CNN-Turk bezog sich auch auf den Angriff und berichtete, dass man die Zusammenstöße hören kann.

Gleichzeitig dringen die Streitkräfte der syrischen Regierung nach einem Abkommen mit den Kurden durch die Vermittlung Moskaus rasch in den Nordosten Syriens vor. Sie näherten sich heute der Grenze zur Türkei, wo es weiterhin Kämpfe zwischen türkischen und den mit ihnen zusammenarbeitenden Rebellen und den kurdischen Selbstverteidigungseinheiten gibt.

(Reuters/dpa/jW)

Weitere Berichterstattung folgt.

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