Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.10.2019, Seite 16 / Sport

Der König Amerikas

Von André Dahlmeyer
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Eine Meisterschaft ist ihm bisher noch nicht geglückt: River Plates Trainer Marcelo Gallardo (im Anzug)

Einen wunderschönen guten Morgen! Seit der argentinische Hauptstadtverein Club Atlético River Plate vor einigen Jahren erstmals ab-, aber auch gleich wieder aufgestiegen ist, scheint dem »Millonario« die Sonne aus dem Allerwertesten. Der Rekordmeister besäuft sich an Titeln, hauptsächlich internationalen. Dem jüngst von Pep Guardiola gelobten Trainer Marcelo Gallardo ist bis dato alllerdings noch keine Meisterschaft geglückt, und auch monetär ist der »Millonario« weit vom Finanzpolster seines größten Widersachers, den Boca Juniors, entfernt, obgleich sich bei den »Xeneizes« die Dinge konträr entwickelt haben. Die eine oder andere nationale Meisterschaft heimsen sie noch ein, aber auf der internationalen Bühne ist seit mehr als einer Dekade die Luft raus (letzter Titel: Recopa Sudamericana 2008). Die letzte Copa Libertadores, die sechste, gewann der Klub aus dem Süden der Hauptstadt vor zwölf Jahren.

Hingegen hat River Plate, der Rivale aus dem reichen Norden, sportlich aufgeholt. Vier Libertadores haben die Riverplatenses mittlerweile auf dem Kerbholz, darunter die aktuelle – River Plate ist der König Amerikas. In der Superliga, der Meisterschaft der Silberländer, liegt der »Millo« mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Boca auf Rang drei. Dazwischen haben sich die Argentinos Juniors gelümmelt, der Exklub von Diego Maradona und Juan Román Riquelme. In der Libertadores findet gerade in den Semifinals eine Neuauflage des Endspiels (des Rückkampfes) vom vergangenen Dezember im Madrider Santiago Bernabéu statt. Das Hinspiel hat River Plate Anfang Oktober autoritär mit 2:0 für sich entschieden. Mir ist noch nie ein Klub untergekommen, dessen Anhänger ihren Trainer dermaßen lobpreisen. Vor und nach jedem Spiel schallen »Muñeco! Muñeco! Muñeco!«-Sprechchöre durch die Stadien der Republik, denn Marcelo Gallardo hat ein Puppengesicht. Dass die Truppe um Carlos Tévez und Daniele De Rossi das Resultat im hauseigenen Gottestempel »Bombonera« kommenden Dienstag noch wird drehen können, kann man beinahe ausschließen. Finalgegner von Gallardo und Konsorten wird am 23. November in Santiago de Chile voraussichtlich der Regattaverein Flamengo aus Rio de Janeiro sein, sechsmaliger brasilianischer Meister und Tabellenführer des »Brasileirão« (acht Punkte vor Palmeiras), der am Sonntag 2:0 bei Atlético Paranaense gewann.

Auch in der Copa Argentina läuft’s für die Riverplatenses, deren Präsident Zidane-Vorbild Enzo Francescoli ist, rund. Nach dem 2:0 gegen den Zweitligisten Almagro, der zuvor Erstligist Talleres de Córdoba und davor, beim Debüt von De Rossi, Boca Juniors eliminiert hatte, steht River Plate auch in diesem Wettbewerb im Halbfinale. Gegner wird dort wohl Colón de Santa Fe sein. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, wird der andere Finalist zwischen Estudiantes de La Plata und Independiente ermittelt. River Plate gewann die Copa bereits 2016 und 2017. Das letztjährige Finale hatte Rosenkranz Central im vierten Anlauf gegen Gimnasia y Esgrima La Plata, den aktuellen Maradona-Klub, gewonnen.

Nicht so gut läuft es gerade für die Futsal-Truppe River Plates. Nach 18 Niederlagen in 29 Spielen (nur fünf Siege) ist der Verein am Freitag am vorletzten Spieltag nach einer 1:5 Heimschlappe gegen América del Sud aus der ersten Liga, die seit 1986 existiert, erstmals abgestiegen. River Plate gilt im Futsal als eine der größten Talentschmieden der Republik, u. a. stammt aus deren Jugend der beste argentinische Futsalspieler aller Zeiten, Matías Lucuix, aktuell Nationaltrainer der Gauchesken. 1991, 2002 und 2003 gewann River Plate den argentinischen Titel, 2016 und 2017 die Copa Argentina. Bei der Copa Libertadores 2013 in Uruguay erreichte der Klub aus Núñez einen dritten Platz.

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