Schwarzer Kanal
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Immer diese »Einzeltäter«

Von Rafik Will
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Deutschland, deine Nazis: Immer in Rudeln, aber trotzdem »allein«

Halle an der Saale ist zu zweifelhafter internationaler Berühmtheit gelangt. Am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, hatte in der vergangenen Woche ein schwerbewaffneter Attentäter versucht, die fatalerweise nicht unter Polizeischutz stehende Synagoge der Stadt zu stürmen. Nachdem ihm das misslungen war, tötete er zwei Menschen. Halle an der Saale ist auch die Stadt, aus der Radio Corax sendet. Auf der Website des freien Radios (radiocorax.de) finden sich einige hörenswerte Beiträge zu dem rechten Terroranschlag. So zum Beispiel das Interview mit David Begrich von »Miteinander e. V.«, das am 12.10. gesendet wurde. Im Gespräch wird auch der Begriff »Einzeltäter« kritisch unter die Lupe genommen und die antisemitisch motivierte Tat in den gesellschaftlichen Kontext eingeordnet.

Dass die Erde eine Scheibe ist oder eine hohle Kugel, die man auch von innen bewohnen kann, klingt ganz schön abgefahren. Die Leute, die diese Stories für bare Münze nehmen, sind in der Regel aber keine lustigen Freaks, sondern unangenehme bis gefährliche Zeitgenossen. Wieso man sich von Personen, die in einem Fantasyroman leben, besser fernhält, erläutert die Sendung »Durch die Nacht – Irre Verschwörungstheorien« (Di., 20 Uhr, FSK). Gleichzeitig läuft an anderer Stelle die Radioinszenierung von Sophie Calles »True Stories« (BR 2019; Di., 20.10 Uhr, DLF) durch die Komponistin und Hörspielmacherin Ulrike Haage. Und später am Abend kann man sich dann auf Lorenz Rollhäusers »Reset im Regenwald – Der Hype um Ayahuasca« (DLF Kultur/NDR 2019; Di., 22 Uhr, DLF Kultur) freuen. In dem Feature erkundet er die Begeisterung für den psychedelischen Pflanzensud, der mittlerweile kommerziell ausgeschlachtet wird. Nicht verpassen sollte man am frühen Morgen dann die neue Ausgabe von »Inkasso Hasso« (Radio Corax 2019; Mi., 8 Uhr, FSK), in der unter anderem das 100. Jubiläum Jugoslawiens gewürdigt wird. Von Tomasz Konicz läuft später auf Radio Corax »Streitmächte: Wohin im krisenhaften Spätkapitalismus?« (Mi., 17 Uhr, Radio Corax).

Susanne Sachsse erzählt in  »Original Sin – Der Gang der Frau im Sozialismus« (NDR 2019; Ursendung Mi., 20 Uhr, NDR Kultur) vom zeitgleich zum Mauerbau 1961 erfolgten Hausbau ihrer Großmutter im thüringischen Übermasstedt. Gleichzeitig hat Franz Doblers erster »ARD-Radiotatort« Premiere. In »Mörder und Gespenster« (BR 2019; Ursendung Mi., 20 Uhr, Bayern 2) ermittelt unter anderem die aus den Doblers Fallner-Krimis bekannte Kommissarin Jaqueline Hosnicz. Die Umbruchszeit nach dem Anschluss der DDR ist dann das Thema in Lothar Trolles »Ein Vormittag in der Freiheit oder Sie gestatten, Lehmann, vorn mit L wie Lenin« (Funkhaus Berlin 1991; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur).

Von Personen, die vorgeben jemand anderes zu sein, handelt Klaus Fehlings Hörspiel »Ingame« (WDR 2009; Do., 19 Uhr, WDR 3) über »Doppelagenten des Alltags«. Unter anderem mit dem »Palma Ars Acustica« ausgezeichnet wurde Anne Lepères Stück »Autopoiesis« (FACR/Atelier de Création Sonore Radio 2019; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur), in dem die aus der Wallonie stammende Autorin die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers austestet.

Dann startet eine Radioadaption von Homers »Odyssee« (HR/BR 1996; Sa., 15 Uhr, Bayern 2), die bis Jahresende wöchentlich ausgestrahlt wird. Zuletzt schaut sich noch Egon Koch bei (Über-)Lebenskünstlern um: »Die Kunst, von der Kunst zu leben – Die prekäre Lebenslage von Künstlern« (DLF 2019; So., 14 Uhr, RBB Kultur). Und nicht vergessen: Am 21.10. ist Tag des feministischen Radios – Informationen gibt es auf claimthewaves.noblogs.org.

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