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Online Extra
09.10.2019, 19:39:32 / Inland

Rechter Anschlag an Jom Kippur

Halle: Täter soll ein 27jähriger Deutscher sein
Halle: Eine abgedeckte Leiche liegt in einer Straße. Bei Schüsse
Halle: Eine abgedeckte Leiche liegt in einer Straße. Bei Schüssen sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden.

Halle. Nach den tödlichen Schüssen im sachsen-anhaltinischen Halle heißt es jetzt nach »Informationen aus Sicherheitskreisen«, auf die sich die Deutsche Presseagentur beruft, alles deute auf einen Einzeltäter hin. Demnach soll es sich den Angaben zufolge um jenen Mann handeln, über dessen Festnahme die Polizei bereits am Nachmittag informiert hatte. Wie Bild berichtet, heißt der Täter Stephan Balliet, ist 27 Jahre alt und kommt aus Sachsen-Anhalt. Den Ermittlern liegt inzwischen ein Video vor, das der Attentäter offenbar mithilfe einer Helmkamera aufnahm. Der Film zeigt, wie B. eine Passantin in der Nähe des jüdischen Friedhofs sowie einen Gast in einem Döner-Bistro in der Nähe der Synagoge erschießt. Aus dem Video ergeben sich klare Hinweise auf ein antisemitisches und faschistisches Motiv. So schimpft der Täter mehrfach über »Juden« und »Kanaken«.

Nach Informationen des Spiegel war B. zuvor nicht polizeibekannt. Er wurde am Nachmittag festgenommen. Aufgrund der Schwere der Tat hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich gezogen. Eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, dass es »ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund« des Anschlags in Halle gebe. Die Ermittlungen über mögliche Komplizen stünden noch am Anfang.

Zunächst waren die Ermittler von mehreren Angreifern ausgegangen. Der Täter hatte am Mittwoch mittag zwei Menschen erschossen. Die Leiche einer Frau lag nahe einer Synagoge, ein Mann wurde in oder an einem Döner-Imbiss getötet. Außerdem habe der Täter selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt und versucht, in das jüdische Gotteshaus zu gelangen. Die Synagoge war zum Zeitpunkt des Angriffs voll besetzt, aber offenbar nicht polizeilich geschützt. Am Mittwoch feierten Juden weltweit den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. 70 bis 80 Personen hielten sich nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorotzki, in dem Gotteshaus auf. (jW/dpa)