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Aus: Ausgabe vom 11.10.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Die Kurve gekriegt

Martin Ödegaard ist vielleicht doch kein so schlechter Fußballer
Von Rouven Ahl
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An sich und seinem Spiel hart gearbeitet: Martin Ödegaard

Vermeintliche Wunderkinder gab es im Profifußball schon viele. Die Vereine sind ja auch immer auf der Suche nach dem »neuen Messi«. Die nötige Geduld bringen die Verantwortlichen dabei eher selten auf – auch sehr junge Spieler sollen am besten sofort funktionieren. Andernfalls droht ihnen ziemlich schnell das Abstellgleis.

Auf diesem wähnten viele den Norweger Martin Ödegaard. Ödegaard? Da war doch mal was. Richtig, einst galt der heute 20jährige als Retter des Fußballs, als legitimer Nachfolger von Lionel Messi. Und nein, eine Nummer kleiner ging’s nicht. Die Klickzahlen auf Artikel erhöhen sich schließlich nicht von selbst. Ins Rollen kam der Hy pe 2014. Ödegaard war, mit gerade mal 15, jüngster Debütant und Torschütze in der ersten Liga Norwegens. Kurz darauf folgte der erste Einsatz im Nationalteam seines Landes. Die großen Teams in Europa rissen sich um ihn. Seine Weltkarriere schien ausgemachte Sache. Real Madrid bekam schließlich den Zuschlag. 2,8 Millionen Euro sollen die Königlichen im Januar 2015 an Ödegaards Verein Stromsgodset IF überwiesen haben.

In der spanischen Hauptstadt gab es dann schnell erste Schwierigkeiten. Ödegaard sollte, so der Plan, mit den Profis trainieren, aber erst mal in der zweiten Mannschaft spielen. Sportlich lief‹s dort leider nicht so gut. Gerüchte über Neid der Mitspieler auf Ödegaards fürstliches Salär machten alles noch komplizierter. Aus den medialen Arien wurde die bekannte Erzählung vom verwöhnten Jungprofi. Allen war klar: In Madrid geht es nicht weiter. Man verlieh Ödegaard an die niederländische Eredivisie zum SC Heerenveen. Anschließend ging es zu Vitesse Arnheim, ebenfalls Mitglied der ersten Liga der Niederlande.

Dort demonstrierte Ödegaard, dass er vielleicht doch nicht so schlecht ist. In Arnheim schoss er neun Tore, gab zwölf Vorlagen. Nach dem Ende der Leihe in diesem Sommer kehrte Ödegaard jedoch nicht zurück zu Real – bis Juni 2021 ist er zunächst an Madrids Ligakonkurrenten Real Sociedad San Sebastian ausgeliehen. Auch bei den Basken überzeugt Ödegaard. Zwei Tore und zwei Vorlagen stehen nach acht Spielen für ihn zu Buche. Sämtliche Partien hat er über die volle Distanz bestritten, sein Klub befindet sich auf dem fünften Tabellenplatz.

In Arnheim hat Ödegaard viel an sich und seinem Spiel gearbeitet. Sein Abschluss ist nun besser, seine Pässe indes waren immer schon eine Augenweide. Spielt Ödegaard weiter so gut, wird ihn Real wohl zurückholen. Ihn, der quasi als Kind ein Weltstar war und im Teenageralter bereits als gescheitert galt.

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