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Aus: Ausgabe vom 10.10.2019, Seite 1 / Ausland
Türkei und Syrien

Türkei beginnt Militärinvasion

Luftwaffe greift Städte in Nordsyrien an. Kurden verkünden Generalmobilmachung
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch beim Telefonat mit Verteidigungsminister Akar, kurz bevor er den Befehl für den Beginn der Militäroffensive in Syrien erteilt

Die Türkei hat eine weitere Militärinvasion in Nordsyrien begonnen. Kampfjets beschossen am Mittwoch die Grenzstadt Ras Al-Ain, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und der türkische Sender CNN Türk übereinstimmend berichteten.

Der Sprecher der von den syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK), Mustafa Bali, schrieb auf Twitter: »Türkische Kampfflugzeuge haben damit begonnen, Luftangriffe auf zivile Gebiete durchzuführen. Die Menschen in der Region sind in großer Panik.«

Das »Informationszentrum Rojava« meldete, auch die Grenzstadt Tal Abjad werde beschossen. Einwohner sagten der Deutschen Presseagentur, die Stadt sei fast menschenleer, weil die meisten Zivilisten sie verlassen hätten. Dafür seien viele Kämpfer dort. Die Gesundheitsbehörden bereiteten die Krankenhäuser vor. Auf manchen Dächern seien Scharfschützen zu sehen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte am Mittwoch nachmittag auf Twitter den Angriff. »Unsere Streitkräfte haben zusammen mit der syrischen nationalen Armee im Norden Syriens die Operation ›Quelle des Friedens‹ gegen die Terrororganisationen PKK/YPG und DEAS begonnen«, so Erdogan.

Die syrischen Kurden hatten zuvor eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet. Angesichts der zunehmenden Drohungen der Türkei und ihrer syrischen »Söldner« seien alle aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesen »kritischen historischen Momenten« Widerstand zu leisten, hieß es in einer Erklärung am Mittwoch. Kurden weltweit wurden aufgefordert, gegen die Offensive zu demonstrieren.

Sie kündigten zudem an, die USA und die gesamte internationale Gemeinschaft für eine mögliche »humanitäre Katastrophe« verantwortlich zu machen. Die türkische Militärinvasion folgte auf den Abzug von US-Truppen am Montag morgen. In einer Erklärung aus dem Weißen Haus signalisierte Washington, dass es sich einer Offensive nicht mehr in den Weg stellen wolle. (dpa/jW)

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