Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 09.10.2019, Seite 5 / Inland
Gebäudereinigerhandwerk

Gebäudereiniger erhöhen Druck

Nach gescheiterter Verhandlungsrunde setzt IG BAU auf Warnstreiks
Von Ina Sembdner
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Reinigungskräfte am Flughafen Münster/Osnabrück trugen am Dienstag »Tarifverträge« symbolisch zu Grabe

Um den Druck auf die Unternehmer in der Gebäudereinigungsbranche zu erhöhen, hatte die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) ihre Mitglieder am Dienstag zu Warnstreiks an mehreren deutschen Flughäfen aufgerufen. Mehrstündige Arbeitsniederlegungen gab es in Frankfurt am Main, Berlin-Tegel und Münster/Osnabrück. Protestaktionen wie der »Aufstand der Unsichtbaren«, symbolisiert durch weiße Masken, fanden zudem an den Flughäfen München, Düsseldorf, Stuttgart, Hannover, Dortmund und Nürnberg statt. Bereits am Montag abend waren die Beschäftigten der Nachtschicht von der Firma Gegenbauer in den Warnstreik getreten, die in Frankfurt am Main für den Lufthansa-Loungebereich zuständig sind.

Hintergrund der Mobilisierung sind die festgefahrenen Verhandlungen über einen Rahmentarifvertrag im Gebäudereinigerhandwerk. Der Branchenverband BIV hatte den alten Vertrag zum 31. Juli gekündigt und seither Druck auf die Beschäftigten ausgeübt, Änderungsverträge mit deutlich schlechteren Konditionen zu unterzeichnen. Die vorerst letzte und bereits sechste Verhandlungsrunde hatte die Unternehmensseite am 30. September nach zwölfstündigen Gesprächen unterbrochen. Wie es von der IG Bau hieß, sei trotz intensiver Diskussionen und Annäherung in einigen Punkten keine Einigung bei wichtigen Themen möglich gewesen.

So setzten die Firmen weiterhin auf ihre Änderungsverträge und verwehrten Industriereinigern höhere Zuschläge, die »dem enormen Einsatz« in diesem Bereich gerecht würden, wie Ulrike Laux aus dem Bundesvorstand der IG BAU in einer Mitteilung vom Dienstag sagte. Streitpunkt sind demnach auch die Zuschläge für Überstunden und für die Arbeit an Feiertagen. »Hier wollen die Arbeitgeber viel zu geringe oder gar keine Extrazahlungen leisten«, kritisierte Laux. Teilzeitbeschäftigte sollen zudem erst ein Anrecht auf Zuschläge haben, wenn sie mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. Dabei sei die Quote von Beschäftigten, die nur einen Teilzeitvertrag oder einen 450-Euro-Job hätten, bei Gebäudereinigern enorm hoch. Auch was die Forderung nach Weihnachtsgeld betrifft, hätten sich die Unternehmer »uneinsichtig und nicht kompromissbereit« gezeigt, wie es auf einem Flugblatt der IG BAU hieß. Die Gewerkschaft resümierte: »Sie wollen nicht über Geld verhandeln, in keiner Höhe und nicht als Einstieg.«

Wie ernst es den Beschäftigtenvertretern mit dem Druck auf die Unternehmen ist, zeigt auch die bereits am Montag gestartete Aktion »Dirty-Job-Pranger«. Auf der IG-BAU-Webseite sollen Firmen beleuchtet werden, die nach Ansicht der Gewerkschaft den tariflosen Zustand ausnutzen, um ihren Arbeitskräften deutlich verschlechterte Konditionen aufzuzwingen. Der Anfang wurde mit der Veröffentlichung eines Arbeitsvertrages des Branchenriesen Piepenbrock aus Osnabrück gemacht. Zu den Punkten, die die Gewerkschaft kritisiert, zählt unter anderem, dass vorgetäuscht werde, nur Anrecht auf den allgemeinverbindlichen Mindestlohn zu haben, während das Unternehmen dazu verpflichtet sei, Tariflohn zu zahlen. Am Dienstag nachmittag setzte Piepenbrock noch einen drauf, und setzte am Flughafen Münster/Osnabrück Streikbrecher ein. Die nächste Firma soll am 11. Oktober an den Pranger gestellt werden.

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