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Aus: Ausgabe vom 09.10.2019, Seite 1 / Ausland
Syrien und Türkei

Syrien warnt vor Angriff

Ankara: Militärische Vorbereitungen abgeschlossen. Späte Drohung von Trump
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Kämpfer der von der Türkei unterstützten »Freien Syrischen Armee« am Montag während eines Militärmanövers in Asas in Nordsyrien

Syrien hat seinen Nachbarn Türkei vor einer Militärinvasion gewarnt. Damaskus werde sein Territorium verteidigen und keine Besetzung der »syrischen Erde« akzeptieren, zitierte die regierungsnahe Zeitung Al-Watan den stellvertretenden Außenminister Faisal Al-Makdad am Dienstag. Es war das erste Mal, dass sich ein Vertreter der syrischen Regierung zu einer drohenden Militäroperation der Türkei im Nordosten Syriens äußerte. Al-Makdad rief die Kurden zudem auf, zurück an die Seite der Regierung in Damaskus zu kommen und sich nicht »selbst in die Hölle zu stürzen«, nachdem sie von den USA im Stich gelassen worden seien.

Unterdessen hat die Türkei nach eigenen Angaben ihre Vorbereitungen für den Angriff in Nordsyrien getroffen. »Alle Vorbereitungen für den Einsatz sind abgeschlossen«, teilte das türkische Verteidigungsministerium am Dienstag auf Twitter mit.

Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay sagte gestern: »Unsere Botschaft an die internationale Gemeinschaft ist klar – die Türkei ist kein Land, das sich von Drohungen bewegen lässt«. Oktay reagierte unter anderem auf einen Tweet von US-Präsident Donald Trump, der am Vortag mit der Zerstörung der türkischen Wirtschaft gedroht hatte, sollte Ankara etwas unternehmen, das er für »tabu« halte.

Das Weiße Haus hatte am Montag morgen (MESZ) zunächst signalisiert, US-Streitkräfte würden sich einer Offensive nicht mehr in den Weg stellen, und zog etwa 50 Soldaten aus der betroffenen Grenzregion ab. Der Schritt sorgte sowohl in den USA als auch international für Besorgnis. Trump wurde trotz seiner späteren Drohung in Richtung Türkei auch aus den eigenen Reihen vorgeworfen, die von den Kurdenmilizen YPG und YPJ dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS in Nordsyrien im Stich zu lassen.

SDK-Vertreter zeigten sich nach Trumps Äußerungen, die US-Truppen abzuziehen, entsetzt und warfen den USA am Montag vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen. Gleichzeitig kündigten sie Widerstand gegen den türkischen Angriff an. (dpa/AFP/jW)

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