Gegründet 1947 Dienstag, 22. Oktober 2019, Nr. 245
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 07.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Bewerber des Tages: Brieftaubenzüchter

Von Michael Saager
Adelung_des_Brieftau_59291500.jpg
»Eine der faszinierendsten Kreaturen, die es gibt«: Brieftaube

Nur nicht aufgeben! Aber Brieftaubenfreunde sind ja bekanntlich mindestens so zäh wie ihr schutzbefohlenes Federvieh. Jedenfalls: Der Brieftaubenverband unternimmt einen neuen Anlauf, das Brieftaubenwesen als nationales Kulturerbe anerkennen zu lassen. Eine entsprechende Bewerbung werde bis Ende des Monats abgegeben, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter, Richard Groß, der dpa.

Die erste Bewerbung war Ende 2018 abgelehnt worden, sehr ärgerlich. Sie habe sich nicht mit den gesellschaftlichen Kontroversen um Tierhaltung und -nutzung auseinandergesetzt, hatte die UNESCO-Auswahlkommission ihre Entschiedung unter anderem begründet. Harter Vorwurf, dummer Fehler? »Wir erhalten eine der faszinierendsten Kreaturen, die es gibt. Kein anderes Tier kann in so kurzer Zeit über bestimmte Distanzen zielsicher nach Hause finden«, sagte Groß. Er verwies auf die frühere Bedeutung der Brieftauben als Nachrichtenübermittler. Ja, stimmt, da war mal was.

Über die Aufnahme in das »Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes« wird frühestens im Dezember 2020 entschieden. Liebe Vogelfreunde, wir bleiben dran.

Debatte

  • Beitrag von Joachim B. aus I. ( 7. Oktober 2019 um 18:23 Uhr)
    Hallo Herr Saager,

    ich persönlich züchte keine Brieftauben und habe eigentlich – außer als gelegentliche »Nahrungsergänzung« – keinen Bezug zu Tauben. Ich sehe aber, mit welcher Hingabe mein Schwiegervater seine Tauben hegt und pflegt, sie langsam auf die Flüge vorbereitet, mit leidet, wenn eine krank oder nicht heimgekommen ist, den Schlag täglich saugt, als wäre es das eigene Wohnzimmer. Er ist so, wie verantwortungsvolle Taubenzüchter sind, und das sind eigentlich bis auf einige wenige alle. Ein Aufschrei nach Tierwohl ist hier fehl am Platz.

    Ich habe aber sehr wohl einen Bezug zu den Arbeitervereinen und der Geschichte unserer Arbeiterbewegung, und da sind Brieftauben nicht wegzudenken. Die Rennpferde des kleinen Mannes lieferten nicht nur Abwechslung im tristen Grau des Frühkapitalismus, sondern auch Möglichkeiten, getarnt in Vereinen verbotene politische Arbeit zu betreiben.

    Darum gehören Brieftauben in das »Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes« und das sollte durchaus von linksdenkenden Menschen unterstützt werden.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

Mehr aus: Ansichten