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Aus: Ausgabe vom 05.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Gernegroß des Tages: Adam Neumann

Von Simon Zeise
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Hochmut kommt vor dem Fall. Milliardär Adam Neumann ist für seinen protzigen Lebensstil bekannt. Regelmäßig soll der frühere Boss des Bürovermittlers »Wework« seine Mitarbeiter angebrüllt haben, wenn sie ihm nicht seinen 140 Dollar teuren Lieblingstequila bereitstellten. Im Sommer vergangenen Jahres charterte er einen Privatjet, um mit seinen Freunden während des Fluges von den USA nach Israel mal richtig einen durchziehen zu können.

Das alles sind aber nur Peanuts, im Vergleich zu den Summen, mit denen er noch so jongliert haben soll. Wework war der Traumkandidat der Wall Street. Das Startup galt als Primadonna des Neoliberalismus. Verwaiste Büros wurden aufgekauft, mit allerlei Szeneschnickschnack aufgehübscht und teuer an prekäre digitale Tagelöhner als »Coworking Spaces« vermietet. Investoren gefiel es. Das japanische Unternehmen Softbank etwa pumpte zehn Milliarden Dollar in Neumanns Firma. Kurz bevor Wework an die Börse gehen sollte, wurde das Unternehmen mit 47 Milliarden Dollar bewertet. Banker hätten Neumann eingeflüstert, dass daraus auch noch mehr als das Doppelte werden könne, berichtete die FAZ am Freitag.

Doch als man die Glocken an der Wall Street schon förmlich läuten hören konnte, kam der Absturz. Wework veröffentlichte seinen Börsenprospekt, aus dem hervorging, dass das Unternehmen Lichtjahre von ersten Gewinneinnahmen entfernt war. Maßgeblich mitverantwortlich war Neumann, der sich über eine spezielle Aktienstruktur eine immense Machtfülle gesichert hatte. Die erlaubte ihm, Millionen für die Nutzung der Marke »We« abzuzweigen. Nach dem Einblick in die Bücher wurde der Marktwert auf 20 Milliarden Dollar nach unten korrigiert. Der Börsengang wurde abgeblasen. Fitch stufte die Kreditwürdigkeit von Wework auf Ramschniveau ab. Neumann lebt dieser Tage auf kleinerem Fuß.

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