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Aus: Ausgabe vom 04.10.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Der Teufel scheißt …

TV-Gelder: In der Fußballbundesliga werden reiche Klubs immer reicher
Von Rouven Ahl
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Geldschwere Vereine unter sich: Bayern Münchens Trainer Nico Kovac feiert DFB-Pokal-Finalsieg gegen RB Leipzig, Berlin 2019

Seit Jahren wird fehlender Wettbewerb in der Fußballbundesliga moniert. Schuld daran ist das Geld. Es ist nämlich sehr ungleich verteilt. Wer mehr in seine Mannschaft investieren kann, wird, na klar, quasi automatisch mehr Erfolg haben. Wenn Vereine, was allzuoft der Fall ist, gegenüber anderen finanziell benachteiligt sind, kann eben kein echter bzw. fairer Wettbewerb stattfinden. Versteht eigentlich jeder.

Ein möglicher Schlüssel zu mehr Gerechtigkeit wäre etwa die bessere Verteilung von Fernsehgeldern. Davon ist die Bundesliga aktuell jedoch meilenweit entfernt. Ende September wurden die Erlöse pro Bundesliga-Verein aus der internationalen Fernsehvermarktung veröffentlicht. Es sind ausgesprochen ernüchternde Zahlen.

Knapp zusammengefasst: Die Reichen werden immer reicher. So bekommt der Branchenprimus aus München über 45 Millionen Euro überwiesen. Das ist mehr Geld, als Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin, Freiburg, Bremen, Köln, Augsburg und Hoffenheim zusammen generieren, nämlich rund 42 Millionen Euro.

Dabei geht es den Klubs aus der deutschen Beletage ja noch vergleichsweise gut. In den unteren Ligen indes kommt von den Gewinnen wenig bis nichts an. »Die Basis erstreckt sich bis zur Oberliga. Demnach sollten alle Vereine von generierten Geldern profitieren. Statt dessen werden die oberen vier Bundesliga-Teams bevorzugt, weil man die Champions League gewinnen will«, sagte Steffen Baumgart, Trainer von Aufsteiger SC Paderborn 07, gegenüber der Funke-Mediengruppe.

Auch die Verteilung der Einnahmen aus nationalen Medien- und Sponsorenrechten stößt sauer auf. Ein Verein wie RB Leipzig, der dank Unterstützung seines überaus österreichischen Geldgebers sowieso keine finanziellen Probleme hat, bekommt in der aktuellen Saison fast 20 Millionen Euro mehr als der SC Freiburg.

Dass die Bundesliga in Sachen Verteilung der finanziellen Ressourcen eine unfaire Liga ist, hat sie übrigens schwarz auf weiß. Zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte die UEFA ihren »Club Licensing Benchmarking Report«, laut 11 Freunde liefert er »das wirtschaftliche Röntgenbild des europäischen Fußballs«. Darin heißt es: »Der Trend geht zu einer ausgeglicheneren Verteilung von TV-Geldern.« Zu den unrühmlichen Ausnahmen gehört: die Bundesliga.

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