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Die große Hörspielkrise

Von Rafik Will
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Wer hört schon Inforadio? Wir sind Team Kenenisa Bekele

Beim Berlin-Marathon am vergangenen Sonntag trat die »Inforadio-Marathon-Staffel« mit 42 Läufern an, um den 2018 aufgestellten Weltrekord von Eliud Kipchoge zu unterbieten. Und sie haben es geschafft, was für eine Sensation. 2:01:08 Stunden brauchte die aus 40 Läufern und zwei Läuferinnen bestehende Gruppe dieses Jahr insgesamt. Es war nicht der erste Anlauf. Bereits zum fünften Mal war das Nachrichtenradio des RBB mit seiner »Marathonwette« angetreten. Im Inforadio selbst konnten sich die Reporter und Moderatoren vor Begeisterung über diesen »großen Triumph« natürlich kaum bremsen. Dass der schnellste Läufer dieses Jahr Kenenisa Bekele hieß, ging im Siegestaumel beinahe unter. Übrigens wird der gesamte Marathon von BMW gesponsert. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr also die »BMW-Marathon-Wette«? Mit dem Auto ist ein Marathon bestimmt zu gewinnen. In unseren digitalen Zeiten ist es übrigens überhaupt nicht mehr kompliziert, Reklame zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu präsentieren, um die Zielgruppe zu erreichen – die Anzeigen werden schließlich passgenau personalisiert. Wahlwerbung auch. Die schaut sich Peter Kreysler im Feature »Digitale Brandbeschleuniger: Der unregulierte Wahlkampf im Netz« (DLF/WDR 2019; Di., 19.15 Uhr, DLF) an.

Der Hörspielmacher Ulrich Bas­senge fragt in seinem Feature »Wie das Hörspiel auf den Hund kam: Der Niedergang der akustischen Kunst« (BR 2019; Di., 20 Uhr, BR 2), wie es um die Hörspiellandschaft bestellt ist, und kommt zu dem Schluss: nicht gut. Er beklagt, dass es zuwenig Originalhörspiele gebe und zuviel Geld und Zeit in Bearbeitungen von Buchbestsellern gesteckt werde. Außerdem fordert er, die Arbeit an Hörspielen weniger auf ein Manuskript auszurichten. Statt dessen schlägt er das improvisatorische Spiel mit Klängen und gesprochener Sprache vor, eine Art Jamsession. Es ist vielleicht nicht sonderlich verwunderlich, dass sich ein Originalhörspielautor für mehr Originalhörspiele im Radio einsetzt. Trotzdem sollte man sich diese »Brandrede« anhören, da sie aus der Perspektive eines Betroffenen einige Probleme auf den Punkt bringt. Ein lautmalerisches Stück ganz nach Bas­senges Vorstellungen haben heute übrigens Anne Munka und Jan Kurth mit  »Onomatonien« (SWR 2019; Ursendung Di., 23 Uhr, SWR 2) im Gepäck. Vom Erfolg der Lega in Italien und dem politischen Widerstand gegen die von Salvini geführte Rechtsaußenpartei berichten Patrick Batarilo und Mia Marinkovic im Feature »Ciao, Bella Italia«(SWR 2019; Mi., 22 Uhr, SWR 2).

Am Donnerstag dann läuft die Romanbearbeitung »KL – Gespräch über die Unsterblichkeit« (RB 2019; Ursendung Do., 18 Uhr, Bremen Zwei) des Dramaturgen und Autors John von Düffel. In der Rolle einer schon 2015 frei erfundenen, aber gut getroffenen Version von Karl Lagerfeld tritt Michael Kessler auf. Der Komponist und Klangkünstler Werner Cee experimentiert in »Territorien« (DLF Kultur 2019; Ursendung Do., 18.30 Uhr, DLF Kultur) mit Gedichten Wolfgang Hilbigs. Ulrike Bajohr proklamiert in einem Feature: »Sparen ist keine Kunst! Neue Nachrichten aus dem Bonner Stadttheater« (DLF 2019; Fr., 20 Uhr, DLF). Eine Serie um eine Dealerin in Kreuzberg hat Tim Staffel mit »Dope!« (RBB 2019; Teil 1/6 Fr., 22 Uhr, RBB Kultur) anzubieten – man kann sie momentan noch in der »ARD-Audiothek« vollständig he­runterladen. Auch empfehlenswert sind Andreas Ungers »Die Anhörerin« (BR 2019; Sa., 20 Uhr, DLF) und Iris Disses »Tourist in mystischen Welten – Ayahuasca-Reisen ins Amazonasbecken« (RBB 2019; So., 14 Uhr, RBB Kultur).

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