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Aus: Ausgabe vom 01.10.2019, Seite 11 / Feuilleton
Popmusik

Zurück aus dem Mainstream

Großspurig und kleinteilig: Metronomys neues Albummixtape »Metronomy Forever«
Von Christina Mohr
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Am besten kommt das Selbstzitat: Metronomy

Die gute Nachricht zuerst: Auch ein erfolgreicher, von Kritik und Fans gefeierter Musiker und Produzent wie Joseph Mount wagt noch etwas, ist nicht bereit, sich auf alle Ewigkeit dem Zehn-Track-Album-Format zu verschreiben und seinen Trademark-Sound zu pflegen. So kann man das großspurig betitelte und kleinteilig realisierte Album »Metronomy Forever« natürlich auch verstehen: Als bewusste Absage an den Pop-Mainstream, in dem sich Mastermind Mount und seine Kolleginnen und Kollegen Anna Prior, Oscar Cash, Olugbenga Adelekan und Michael Lovett nach Alben wie »The English Riviera« und vor allem »Love Letters« von 2014 souverän behaupteten, obwohl die Band aus Brighton dort gar nicht unbedingt hinwollte.

Doch scheint Metronomys sechstes Album auch nach mehrmaligem Hören vor allem ein Interlude zu sein, eine skizzenartige Fingerübung, die Joe Mount zur Orientierung dienen soll, wo es künftig hingehen könnte. 17 Stücke sind darauf, die zum Teil wie angerissen oder aus älteren Songs recycelt wirken – das ganze Konvolut verpackt in eine Art Rahmenhandlung mit Pointe. Der Schlusstrack löst auf: Die Songsammlung ist ein Mixtape, das einst einer längst vergangenen Liebe gewidmet war. Okay, warum nicht, kann man machen.

Andererseits weckt dieses »Mixtape« den Argwohn, dass es mit der romantisch verklärten Nostalgie nicht allzuweit her sein kann. Stücke wie »Lying Now« oder »Forever Is a Long Time« sind schwächliche 80er-Pastiches, »Wedding Bell« und »Salted Caramel Ice Cream« kommen zu flach und ironisch daher, um wirklich gute Popsongs zu sein – die Metronomy ja quasi aus dem Ärmel schütteln können, siehe/höre z. B. den Hit »The Bay« vom Riviera-Album. Weil dieser Song so gut war, zitiert sich die Band in »Whitsand Bay« kurzerhand selbst, mitsamt den funky Bässen und dem knackigen Schlagzeug. Auch »The Look«, »Miracle Rooftop« und »Lately« haben großartige Momente, so bombastisch wie überkandidelt – und mit »Insecurity« (nicht zu verwechseln mit »Insecure« auf derselben Platte) gibt es sogar einen zeitgemäßen Dancefloor-Filler mit Lyrics, die toxische Männlichkeit thematisieren.

Aber es ist enorm anstrengend, sich in diesem Mixtape zurechtzufinden, in den angedachten Ideen die ausformulierten Gedanken auszumachen. Um so irritierender, weil Mount beispielsweise Robyns tolle Comebackplatte »Honey« produziert und mitgeschrieben hatte – möglicherweise liegt seine eigentliche Berufung ohnehin darin, andere zu Stars zu machen. Dann wäre »Metronomy Forever« weniger angeberisch gemeint, eher als konfuser Abschied.

Metronomy: Metronomy Forever (Because Music)

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