Schwarzer Kanal
Gegründet 1947 Montag, 18. November 2019, Nr. 268
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 27.09.2019, Seite 15 / Feminismus
Auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Protest und Gebet für Erneuerung

Aktionswoche: Katholische Frauengemeinschaft will geschlechtergerechte Kirche
Herbstvollversammlun_62759075.jpg
Katholikinnen fällt auf, dass ihre Kirche seit zweitausend Jahren nicht besonders frauenfreundlich ist

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) will, dass ihre Kirche im 21. Jahrhundert ankommt. Für den Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern haben daher am Montag zu Beginn der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda rund 180 Katholikinnen demonstriert. »Nach wie vor treten wir aus unserem starken Glauben heraus für eine Erneuerung der Kirche ein. Eine Veränderung kann es nur im Miteinander und im Dialog geben – aber sie muss kommen«, erklärte die KFD-Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

An einem Infostand in der Innenstadt vor der Stadtpfarrkirche St. Blasius sammelten die Demonstrantinnen Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche und erhielten Besuch von den Bischöfen Georg Bätzing aus Limburg und Peter Kohlgraf aus Mainz.

Um die Mittagszeit zogen sie mit purpurfarbenen Kreuzen und einer Trommelgruppe von der Innenstadt zum Priesterseminar. Dort kam es zu einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der laut der Deutschen Presseagentur versicherte: »Ich weiß, es braucht Bewegung. Ich dränge und pushe, aber manchmal geht es nur langsam voran.« Nach den Skandalen um sexuellen Missbrauch von Kindern und Ordensschwestern durch Funktionsträger der katholischen Kirche hatte die Deutsche Bischofskonferenz einen Reformprozess angekündigt, über den auch bei der am Montag in Fulda begonnenen Herbstvollversammlung beraten werden sollte.

Der Vatikan mahnte allerdings im Streit um den in Deutschland beschlossenen synodalen Weg zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals Treue gegenüber der Weltkirche an. Nach Ansicht des Papstes gehe es darum, »sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche«, erklärte der vatikanische Botschafter in Deutschland, Nikola Eterovic, in einem von der Bischofskonferenz am Montag veröffentlichten Grußwort an die Geistlichen.

Mit dem synodalen Weg wollen die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Laienorganisation ab dem ersten Advent den Missbrauchsskandal aufarbeiten. In einem kürzlich von der Bischofskonferenz veröffentlichten Schreiben samt Gutachten kritisierte Kurienkardinal Marc Ouellet als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe Kritik das geplanten Verfahren – unter anderem, weil geplante Themen wie Zölibat, Priesterweihe für Frauen und Sexualmoral die Weltkirche beträfen.

Kardinal Marx versprach aber am Montag den Demonstrierenden, bei den Gesprächen in Fulda werde nichts ausgeklammert. »Die Rolle der Frau ist außerordentlich wichtig.« Er bedankte sich für das Engagement der Frauen und ihre »lebendige Begleitung«. Anschließend betete er aber erst einmal mit den Frauen für eine Erneuerung der Kirche.

Die Katholische Frauengemeinschaft will im Rahmen einer Aktionswoche noch bis zum 29. September bundesweit Veranstaltungen durchführen. Der Verband hat nach eigenen Angaben rund 450.000 Mitglieder und sammelt während der Aktionswoche öffentlich Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche. Eine Onlinepetition läuft noch bis zum Jahresende. (dpa/AFP/jW)

Mehr aus: Feminismus